Neil und Ilijas Masnic machen beim TSVE gemeinsame Sache Unter Papas strengen Blicken

Bielefeld (WB). Ob es eine andere Wahl gegeben hätte, als in die großen Basketball-Fußstapfen des eigenen Vaters zu treten? »Eigentlich nicht«, antwortet Neil Masnic mit einem halben Frage- und einem halben Ausrufezeichen und muss beim Blick zu Papa Ilijas lachen. »Oder?« – auch Masnic Senior kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Mittlerweile muss das Duo freilich keiner mehr zur gemeinsamen Sache beim Regionalligisten TSVE Bielefeld zwingen – mit Neil auf dem Feld und Ilijas an der Seitenlinie.

Von Henrik Wittenborn
Vater-Sohn-Gespann: Neil (links) und Ilijas Masnic arbeiten seit Sommer auch beim TSVE Bielefeld zusammen. Beide wechselten von den Westfalen Mustangs zu den Dolphins.
Vater-Sohn-Gespann: Neil (links) und Ilijas Masnic arbeiten seit Sommer auch beim TSVE Bielefeld zusammen. Beide wechselten von den Westfalen Mustangs zu den Dolphins. Foto: Henrik Wittenborn

Ein Geheimnis, warum der Albtraum vieler Jugendlicher – den eigenen Vater als Trainer im Nacken haben – den Familienfrieden abseits des Basketball-Feldes nicht ernsthaft in Gefahr bringt: Papa Ilijas Masnic weiß genau um seine Rolle. »Neil hat es mit mir bestimmt nicht immer einfach. Ich kann sehr penetrant und detailversessen sein«, gesteht der Headcoach der Dolphins.

Sein großes Glück: Sein Sohn hat sich längst an die mitunter strenge Hand seines Vaters gewöhnt und kann’s mit Galgenhumor nehmen. »Das Thema Basketball ist nach dem Training halt nicht vorbei und geht immer weiter«, scherzt der 17-Jährige.

Große Fußstapfen

Nicht selten gibt es für das Nachwuchstalent nach der praktischen Einheit in der Halle gleich eine theoretische am Küchentisch oder im Auto obendrauf. »Ich habe natürlich immer ein besonderes Auge auf Neil. Allerdings bin ich kein Typ, der besonders viel lobt«, gesteht Ilijas Masnic.

Nur für eine Frau machen Vater und Sohn gerne eine Ausnahme. »Wenn meine Mutter dabei ist, sollen wir nicht immer nur über Basketball reden«, sagt Neil. Seit dieser Saison geht es im Hause Masnic in erster Linie um die Belange des TSVE Bielefeld. Nach dem Aus der Westfalen Mustangs kehrte Ilijas Masnic an seine alte Wirkungsstätte zurück und brachte seinen Sohn gleich mit zu den Dolphins. »Bei den Mustangs war Neil körperlich noch nicht so weit und hatte ein starkes Team um sich herum«, sagt Ilijas. In Bielefeld ist Neil Masnic längst fester Bestandteil des jungen TSVE-Kaders.

Papa Ilijas hat in Sachen Erfolg vorgelegt

Nach einem körperlichen Schub ist der Junior mittlerweile in Sachen Länge sogar schon am Altmeister – immerhin misst Papa Ilijas selbst 2,00 Meter – vorbeigeschossen. »Und jetzt muss er noch ein bisschen in der Breite zulegen«, sagt Ilijas. Bis der Sohnemann auch in Sachen Erfolg am Vater vorbeiziehen kann, sind nicht nur noch zahllose Extraschichten im Kraftraum nötig.

Denn Papa Ilijas hat mehr als beachtlich vorgelegt: 1993 gehörte der heute 59-jährige Coach zu jener Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina, die sich aus dem Krieg in der Heimat heraus zur die Europameisterschaft in Deutschland qualifiziert und sensationell Platz acht belegt hatte – bis heute Bosniens bestes EM-Ergebnis.

Bis zum internationalen Parkett denken allerdings weder Sohn Neil, noch Vater Ilijas. In der Regionalliga-Rückserie will sich der 17-Jährige weiter Schritt für Schritt im Seniorenbasketball zurechtfinden. Parallel geht es mit den Uni Baskets Paderborn in der NBBL gegen den Nachwuchs der deutschen Spitzenteams.

Abi steht an

Möglicherweise trennen sich schon bald die sportlichen Wege von Vater und Sohn. Nach dem demnächst anstehenden Abitur am Bielefelder Waldhof-Gymnasium könnte es Neil Masnic für ein Studium sogar bis ans US-amerikanische College verschlagen.

»Ich interessiere mich sehr für Sprachen. Vielleicht wäre auch der Journalismus etwas für mich.« Egal wohin es den Youngster treiben wird, zweierlei ist sicher: »Ich werde weiter Basketball spielen«, sagt Neil selbst. Gewissheit Nummer zwei: Papa wird ein wachsames Auge haben.

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