Westfalenmeisterschaft im Freistilringen: ASV Atlas holt elf Medaillen Dadachev wird zum Kurzarbeiter

Bielefeld (WB). In 1:03 Minute zum Titel: Suleiman Dadachev hat im Eiltempo die Westfalenmeisterschaft im Freistilringen bis 97 Kilogramm gewonnen. »Ich hätte gerne ein bisschen länger auf der Matte gestanden«, scherzte der Mann aus Dagestan nach seinem zweiten und letzten Kampf am Samstagnachmittag in der Sporthalle Rosenhöhe 2. Dadachev setzte damit den sportlichen Höhepunkt für Ausrichter ASV Atlas.

Von Henrik Wittenborn
Herr im Ring: Suleiman Dadachev (links) wirft sich auf seinen hoffnungslos unterlegenen Gegner in der 97-Kilogramm-Klasse. Für den Westfalenmeister-Titel stand der Atlas-Mann gerade einmal eine Minute auf der Matte.
Herr im Ring: Suleiman Dadachev (links) wirft sich auf seinen hoffnungslos unterlegenen Gegner in der 97-Kilogramm-Klasse. Für den Westfalenmeister-Titel stand der Atlas-Mann gerade einmal eine Minute auf der Matte. Foto: Henrik Wittenborn

Seine Gegner konnten einem schon beinahe leid tun. Eigens nach Bielefeld gereist, gerade auf die Kampfmatte getreten, machte Dadachev in 43 und 20 Sekunden kurzen Prozess und sorgte in Windeseile für klare Verhältnisse. Sein Erfolgsgeheimnis ist eigentlich gar keines: »Ich gehe einfach auf die Matte und will ringen.« Gut möglich, dass Landesliga-Ringer Dadachev schon bald auf wehrhaftere Gegner treffen wird. Mit seinem Titel hat er sich für die anstehende Landesmeisterschaft qualifiziert.

Zilke hat nur einen Gegner

Früh zum Zuschauen verdammt: Alex Zilke (rechts) verlor seinen einzigen Kampf. Foto: Henrik Wittenborn

So viel Glück hatten am Wochenende nicht alle Atlas-Ringer: Wie Dadachev war auch Bielefelds Aushängeschild Alex Zilke in der Klasse 125 Kilogramm als Titelfavorit angetreten. Die erste Enttäuschung gab’s allerdings schon vor Beginn: Denn sein erster sollte gleichzeitig auch Zilkes letzter Kampf bei der Westfalenmeisterschaft sein. Neben dem Atlas-Mann hatte nur ein weiterer Ringer gemeldet. Das direkte Aufeinandertreffen endete mit einem 3:3, weil Zilkes Gegner allerdings die letzte Wertung landete, verpasste er den Titel.

Ein weiterer Vizetitel ging in der Klasse bis 92 Kilogramm auf das Konto von Arsen Tamoyan. Aghasaf Mammadov (bis 74 Kilogramm) wurde Vierter. In der A-Jugend sammelte Lukas Dörr (bis 51 Kilogramm) eine weitere Medaille ein, Muhhamad Rabiev (bis 51 Kilogramm) und Islam Elmurzaeev (bis 55 Kilogramm) verpassten das Podest als Vierter nur knapp. In den Jugendklassen feierte Atlas durch Anzor Elmurzaev (C-Jugend) Jan Zilke und Yusuf Tecimen (beide D-Jugend) drei weitere Siege.

Mohammadi durch Schulterverletzung gehandicapt

Gezeichnet: Sobhanallah Mohammadi (rechts) verletzte sich an Kinn und Schulter, schaffte aber dennoch einen Podestplatz. Foto: Henrik Wittenborn

Mit Problemen ganz anderer Art hatte Bielefelds Sobhanallah Mohammadi (bis 65 Kilogramm) zu kämpfen. Mohammadi verletzte sich im zweiten Kampf an der ohnehin schon lädierten Schulter. Mohammadi wollte sein Heimspiel allerdings nicht kampflos aufgeben. Von seiner Verletzung gehandicapt, reichte es immerhin noch zu Rang drei.

Für den ASV ist Mohammadi dennoch ein echter Gewinn. Vor fünf Jahren aus seiner Heimat Afghanistan nach Deutschland geflüchtet, hat er bei den Atlas-Ringern schnell eine sportliche Heimat gefunden – und gibt seinem Klub etwas zurück. In den letzten Monaten hat er fleißig für die Übungsleiterlizenz gearbeitet und ist mittlerweile Trainer beim ASV. »Man kann sich immer auf Sobhanallah verlassen. Er ist mehr oder weniger ein Afghane mit deutschen Tugenden«, scherzte Atlas’ 2. Vorsitzender Alexander Zilke.

Aufschwung durch Einwanderungswelle

Nicht auszuschließen, dass Mohammadis Geschichte in Zukunft in Bielefeld weiter Schule macht und zum Vorbild für weitere ASV-Ringer wird. »Durch die Einwanderungswelle erlebt unser Sport in Deutschland seit ein paar Jahren wieder einen Aufschwung. Viele von unseren Jungs kennen Ringen von zu Hause und so wird der Sport ganz automatisch zur ersten Anlaufstelle in ihrer neuen Heimat«, erklärte Alexander Zilke.

Auf westfälischer Ebene hätte sich der ASV zwar längst seinen Ruf als Ringer-Hochburg erarbeitet, im globalen Vergleich stehe Deutschland aber ein gutes Stück hinter der Weltspitze. »Es ist nicht leicht, den Stein auch hier, wo kaum jemand etwas mit Ringen anfangen kann, ins Rollen zu bringen«, sagt Alex Zilke, der mit seinen beiden Brüdern Alexander und Jürgen für mehr Aufmerksamkeit in der Stadt kämpft.

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