Fußball: Spruchkammer spricht Abdullah und Baris Yilmaz vom SC Bosporus frei Keine »erforderliche Sicherheit«

Bielefeld (WB). Freispruch im Fall der B-Liga-Partie zwischen dem SC Bosporus und dem TuS Solbad Ravensberg II: Den Beschuldigten Abdullah und Baris Yilmaz vom SC Bosporus konnte ein tätlicher Angriff auf Schiedsrichter Peter Pöhlker nicht nachgewiesen werden. Beide wurden von der Spruchkammer des Fußballkreises Bielefeld freigesprochen.

Von Henrik Wittenborn
Baris und Abdullah Yilmaz wurden vom Vorwurf des tätlichen Angriffs auf Schiedsrichter Peter Pöhlker freigesprochen.
Baris und Abdullah Yilmaz wurden vom Vorwurf des tätlichen Angriffs auf Schiedsrichter Peter Pöhlker freigesprochen. Foto: dpa

Der Spruchkammer um den Vorsitzenden Michael Daalmann fiel das Urteil jedoch sichtlich und hörbar schwer: »Was nach dem Spiel in der Kabine passiert ist, lässt sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen«, begründete Daalmann den Freispruch. Dementsprechend gelte auch vor dem Sportgericht: Im Zweifel für den Angeklagten.

Rückblende: Schiedsrichter Peter Pöhlker hatte Bosporus-Trainer Abdullah Yilmaz wie berichtet vorgeworfen, ihn nach dem Abpfiff des Spiels am 7. Mai in der Umkleidekabine auf die Brust geschlagen zu haben. Yilmazs Sohn Baris soll ihn zudem massiv gewürgt und am Hals verletzt haben, nachdem Pöhlker dem Bosporus-Kapitän entgegen des geltenden Regelwerks in der Kabine die Rote Karte gezeigt hatte. Die beiden Beschuldigten bestritten die Vorwürfe immer wieder vehement und sagten ihrerseits aus, Pöhlker habe stattdessen um sich geschlagen und Abdullah Yilmaz mit beiden Fäusten auf die Brust geboxt.

Unterschiedliche Schilderungen der Ereignisse

Auch am zweiten Verhandlungstag – vor zwei Wochen musste eine erste Sitzung vertagt werden, weil Pöhlker die Geschäftsstelle des Fußballkreises während einer Toilettenpause wortlos verlassen hatte – gingen die Schilderungen der Beteiligten immer weiter auseinander. So ließ Schiedsrichter Pöhlker etwa im nach dem Spiel angefertigten Sonderbericht notieren, dass ihn Baris Yilmaz beim Verlassen des Platzes bedroht und beleidigt habe. Der Beschuldigte SCB-Kapitän berichtete hingegen von einem kurzen, um Deeskalierung bemühten Gespräch und einem Handschlag. »Und das war der einzige Körperkontakt mit Herrn Pöhlker...«

Gerade besagtes Aufeinandertreffen unmittelbar nach dem Abpfiff sollte für Daalmann und seine Spruchkammer allerdings noch zu einem entscheidenden Detail für die Urteilsfindung werden. »Wir gehen davon aus, dass Herr Pöhlker beim Gang in die Bosporus-Umkleide emotional erregt war, weil es vorher eine entsprechende Bemerkung von einem Spieler des SC Bosporus gegeben hat«, sagte Daalmann und stützte sich dabei auf die Wortwahl der Akteure: So habe Baris Yilmaz Pöhlker laut Sonderbericht dazu aufgefordert, sich außerhalb des Platzes zu stellen, wenn er »die Eier dazu in der Hose hätte.« Im Verlauf der Verhandlung bestätigten mehrere Zeugen, dass Pöhlker bei den Tumulten in der Kabine in den Schritt gefasst habe und genau diesen Ausdruck aufgegriffen habe.

Fall wird Thema im Schiedsrichter-Ausschuss

Pöhlker selbst, der die Verhandlung am Montagabend aus privaten Gründen nach seinem Plädoyer und vor der Urteilsverkündung gegen 22.30 Uhr verlassen hatte, räumte zwar erneut Fehler ein (etwa das Zeigen der Roten Karte in der Kabine), sieht sich allerdings ebenso »vom Opfer zum Täter gemacht.« Während der Verhandlung gerieten beide Seiten zudem immer wieder lautstark aneinander.

Ob die Angelegenheit die Spruchkammer zwei Monate nach den Ereignissen zum letzten Mal beschäftigt hat, ist noch offen. Sowohl der Fußballkreis Bielefeld, als auch Pöhlker selbst können noch Einspruch gegen das Urteil einlegen. Zudem läuft nach Pöhlkers Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung weiter ein zivilrechtliches Verfahren. Sicher ist derweil, dass die Geschehnisse in einem weiteren Gremium des Fußballkreises aufgearbeitet werden.

Philip Dräger kündigte als Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses an, dass der Fall Thema in der nächsten Ausschusssitzung am 26. Juni sein wird. »Diese Geschichte schadet dem Fußball und insbesondere der Schiedsrichter-Vereinigung Bielefeld«, sagte Dräger. Bis zur Sitzung Ende des Monats bleibt die vorläufige Sperre gegen Peter Pöhlker vorerst bestehen.

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