Handball-Oberligist verliert zwei Leistungsträger Holland und Prüßner verlassen die TSG

Bielefeld (WB). Das Personalkarussell nimmt endlich Fahrt auf – doch die Richtung wird der TSG A-H Bielefeld gar nicht gefallen. Mit Phil Holland (22) und Leon Prüßner (22) verlassen zwei Leistungsträger den Handball-Oberligisten nach dieser Saison, Nummer zwei und drei der Torschützenliste. Kein gutes Signal.

Von Jörg Manthey
Phil Holland hat am Abend der Mannschaft mitgeteilt, dass er die TSG nach dieser Saison verlässt.
Phil Holland hat am Abend der Mannschaft mitgeteilt, dass er die TSG nach dieser Saison verlässt. Foto: Bernhard Pierel

Team-Manager Matthias Geukes wollte gestern Nachmittag kurzfristig noch einen letzten Versuch starten, Holland zu einem weiteren Gespräch zu bewegen – doch vergebens.

Der 1,92 Meter große Rückraum-Linke mit der gewaltigen Klebe, der 2014 von GWD Minden II kam und von dessen Funktionieren die TSG-Durchschlagskraft recht abhängig ist, gab am Abend im Mannschaftskreis offiziell seinen Abschied im Mai bekannt. Der angehende Industriekaufmann, eingefleischter Bayern München-Fan und in seiner TSG-Zeit mehrfach von Verletzungen heimgesucht (Hüfte, Knie, Schulter), soll schon bei einem neuen Klub unterschrieben haben.

Holland sei ein Kandidat für den TuS Spenge, bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage dessen Sportlicher Leiter Heiko Ruwe entsprechende Kontakte – mit Verweis auf baldige Personalien.

»Das ist natürlich ein herber Schlag ins Kontor«, bedauert Geukes, der direkt versicherte, man werde »alle Anstrengungen unternehmen«, die Besetzung auf der Königsposition adäquat zu füllen. »Es gibt Leute auf dem Markt. Ich habe Namen genug genannt und auch Vorgespräche geführt. Aber jetzt muss der Verein endlich zu Potte kommen«, sagt Trainer Michael Boy ungeduldig.

»Eine Veränderung wird mir gut tun«

Auch Leon Prüßners Weggang ist fix. Der Linksaußen, zuletzt als Inspirationsherd im Rückraum auf Abwegen, flirtet sowohl mit der 2. Liga (TV Emsdetten, ASV Hamm-Westfalen) als auch mit der 3. Liga (Longericher SC) – Letzteres hatte ihm gut gefallen.

»Ich habe mich entschieden, kann aber erst in etwa zwei Wochen sagen, wohin die Reise geht«, erklärt Prüßner, der 2013 aus Lemgo nach Bielefeld gewechselt war und den Sprung vom Talent zum Leistungsträger meisterte. »Eine Veränderung wird mir gut tun. Ein anderer Verein, ein anderes Umfeld, eine berufliche Zukunft – wenn nicht jetzt, wann dann?«

Neben Bruder Nils ist Leon Prüßner, aktuell von einer Grippe mattgesetzt, damit der dritte feststehende Weggang. »Es war eine schwierige Entscheidung. Die Leute hier sind mir ans Herz gewachsen.« Er werde sich bis zum Saisonende voll reinhängen, um mit der TSG die bestmöglichste Platzierung zu erreichen. »Und vielleicht gibt’s ja mal ein Wiedersehen. Man soll nie nie sagen.«

Boy bedauert Weggang

Michael Boy bedauert das Wegbrechen auch dieses Leistungsträgers. »Ich hätte gerne weiter mit Leon zusammengearbeitet. Die Sportliche Leitung ist jetzt gefragt – mehr als vorher – die Gespräche mit den anderen Spielern zu intensivieren und zum Abschluss zu bringen.« Geukes wirkt gelassen: »Die TSG bleibt in der Region eine gute Adresse im Handball.« Das weiß hoffentlich auch Lukas Schulz, dessen sportliche Zukunft nach eigenen Angaben »ganz offen« ist. Aber der Mittelmann bekennt auch: »Die TSG ist mein erster Ansprechpartner.«

Es bleibt abzuwarten, wie das Team auf die jüngste Entwicklung reagiert. Sollte das Meisterschaftsspiel am Samstag bei HTV Sundwig-Westig verloren gehen, droht dem Heeper Dom zu einem frühen Zeitpunkt der Rückserie tristes Mittelmaß. Solch ein Szenario mag vielleicht der geeignete Wink sein, die Vereinsphilosophie auf eine Stagnation im Spitzensport hin zu überprüfen und sich gegebenenfalls neu auszurichten.

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