Futsal: Nick Mdoreuli findet nach Flucht aus Georgien in Bielefeld eine neue Heimat Gekommen, um zu bleiben

Bielefeld (WB). Als der Krieg in seine Heimatstadt kam, war Nick Mdoreuli elf Jahre alt. 2008 marschierten georgische Truppen in Zchinwali ein, der Hauptstadt der abtrünnigen Region Südossetien. Hunderte Menschen starben im Kaukasuskrieg zwischen Georgien und Russland – und Nick Mdoreuli beschloss, zu fliehen.

Von Philipp Bülter
3500 Kilometer: Nick Mdoreuli zeigt auf dem Globus seine Fluchtstrecke zwischen Georgen und Deutschland. Im Hintergrund prangt sein Futsal-Trikot mit der Nummer zehn, das er beim Regionalligisten Black Panthers Bielefeld trägt.
3500 Kilometer: Nick Mdoreuli zeigt auf dem Globus seine Fluchtstrecke zwischen Georgen und Deutschland. Im Hintergrund prangt sein Futsal-Trikot mit der Nummer zehn, das er beim Regionalligisten Black Panthers Bielefeld trägt. Foto: Philipp Bülter

Noch sechs Jahre sollte es indes dauern, ehe der Georgier sein Heimatland hinter sich ließ. »Endgültig«, wie er heute sagt. Auch wenn die Kriegshandlungen nach zehn Tagen vergleichsweise schnell beendet waren, leidet die Bevölkerung in der unwirtlichen Bergregion noch heute. Es herrschen Perspektivlosigkeit, Armut und die andauernde Bedrohung zweier Armeen, die die völkerrechtlich zu Georgien gehörende aber de facto unabhängige Region nach wie vor für ihr Einflussgebiet beanspruchen. »Meine engsten Freunde wollten mir helfen und haben deshalb für mich Geld gesammelt, damit ich nach Europa gehen kann, um hier etwas aus mir machen zu können«, erzählt Nick Mdoreuli.

Allein nach Deutschland

Früh hat der Vater die Familie verlassen, seine Mutter starb wenige Jahre später. Allzu viel sprechen will Mdoreuli darüber lieber nicht. Er wuchs bei Oma Irina auf, die er 2013 beerdigen musste. »Ich habe sehr früh gelernt, selbständig zu sein.« Über Russland, die Ukraine und Polen gelangte Mdoreuli 2014 als 17-Jähriger nach 3500 Kilometern allein nach Deutschland und landete bald in Bielefeld. Mdoreuli ist vielseitig interessiert, gebildet, wissensdurstig. Für die Black Panthers Bielefeld spielt er in der Regionalliga erfolgreich Futsal . »Man darf nicht faul sein und muss sich quälen«, sagt er. »Disziplin ist mir wichtig.« Einer, der Nietzsches Werk »Also sprach Zarathustra« liest – »aber auf Georgisch« – hat mit Facebook nichts am Hut. Nick Mdoreuli ist tiefgläubig, betet bis zu sieben Mal täglich. »Gott verschafft uns Möglichkeiten und meine Chancen will ich nutzen«, sagt er.

Mehr lesen Sie am Donnerstag, 19. Januar, im WESTFALEN-BLATT, Lokalsport Bielefeld.

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