Football: OWL-Duell beschließt eine verkorkste Bulldogs-Saison Heiko Schreibers letztes Spiel

Bielefeld(WB/jm). Die Bielefeld Bulldogs steigen ab in die Regionalliga, und die Paderborn Dolphins haben den Aufstieg ins Football-Oberhaus verpasst. Auch wenn vor dem Finale in der GFL2 Nord alles geklärt ist; ein Freundschaftsspiel wird’s am Samstag (18 Uhr, Rußheide) ganz bestimmt nicht. Um Energien freizusetzen, dafür bürgt die natürliche Rivalität der OWL-Klubs.

Das Lokalderby ist stets eine besonders umkämpfte Partie. Es geht ja auch ums Prestige. Die Bulldogs wollen es besser machen als beim 14:48 in der Hinrunde.
Das Lokalderby ist stets eine besonders umkämpfte Partie. Es geht ja auch ums Prestige. Die Bulldogs wollen es besser machen als beim 14:48 in der Hinrunde. Foto: Thomas F. Starke

Das Hinspiel ging mit 14:48 verloren. Dieses Treffen erhält eine weitere emotionale Würze. Nach 27 Jahren »mit viel Herzblut« endet eine Ära: Heiko Schreiber, mit 45 Lenzen der Methusalem des Teams, bestreitet sein letztes Spiel. »Ich bin angefangen, da waren viele unserer Jungs noch gar nicht auf der Welt«, grinst der Altmeister, der nach einer »aufopferungsvollen Zeit mit viel Energie für den Football einen Gang rausnehmen« möchte. »Ich bin keiner, der mit dem MP3-Player durch den Wald rennt oder 100 Kilometer auf dem Rad fährt. Einen Wintersport muss ich mir noch suchen«, sagt der passable Altligakicker, der ein Football-Comeback ausschließt. »Wenn ich die Schuhe einmal ausgezogen habe, ziehe ich sie nicht mehr an. Es sei denn, bei einem Benefizspiel anlässlich des 50. Bulldogs-Jubiläums.« Solch ein Cut sei notwendig, sollte er zu einem späteren Zeitpunkt wieder mal dichter am Geschehen sein, etwa im Trainerteam. »Es ist einfach gut, wenn die Alten nicht ganz abspringen.«

»Rambo« Kujak nimmt Abschied

Auch Hank »Rambo« Kujak möchte im Beisein seiner amerikanischen Familie ein gutes Abschiedsspiel hinlegen. Am 5. September geht es für den Bulldogs-Quarterback zurück in den Mittleren Westen der USA. Die »kleinen« Bulldogs wollen sich trotz limitierter Möglichkeiten im Home-coming-Game ein letztes Mal kratzbürstig geben und die »großen« Delfine zu gerne wie im Vorjahr mit einer Niederlage in die Offseason schicken. Dazu muss es Neil Howey und Co. gelingen, Druck auf Quarterback Ethan Haller auszuüben, um die beste Pass-Offense aller deutschen Zweitligisten möglichst im Ansatz zu stören. Haller führt diese Statistik mit 4744 Yards an.

Sollten die Domstädter mehr als 55 Punkte erzielen, würden sie die beste Offense der Liga stellen. Mal schauen, ob die Bielefelder D-Line aufgeweckt genug ist, die schnellen Läufe der Richmonds oder Groenes zu stoppen. Alleine Top-Receiver Cameron Richmond war bislang für 2215 Yards Raumgewinn gut, erzielte dabei 33 Touchdowns, insgesamt 204 Punkte. Die geballte Bulldogs-Macht hat in der gesamten Saison lediglich 254 Punkte zustande gebracht. Die Paderborn Dolphins treten ohne Defense Back Marko Milovanovic an, der mit der serbischen Nationalmannschaft gegen Italien spielt.

Der Tenor auch in Fanreihen der Hunde: »Lasst uns unser Stadion rocken und uns mit Pauken und Trompeten in den Neuaufbau verabschieden«. Gleichzeitig wird am Samstag das 25-jährige Jubiläum der Wildcats begangen. Dafür haben frühere Cheerleader einen kleinen Rückblick in einer Pregame-Show zusammengestellt (Beginn: etwa 17.45 Uhr).

Stefan Conrad empfand bei der jüngsten Niederlage gegen stark ersatzgeschwächte Cougars eine »inakzeptable Gleichgültigkeit« in Bulldogs-Reihen. »Da haben Leute in der Halbzeit resigniert abgeschaltet; frei nach dem Motto: Es geht ja eh um nichts.« So wurde es ein ganz trauriges Abschiedsspiel für Florian Stengl, der den Center mimte und aus dem letzten Loch pfiff. Solch ein mieses Gefühl möchte Conrad all jenen ersparen, die heuer »Tschüss« sagen.

Eigentlich sollte man meinen, nach solch einer verkorksten Saison mit hohem Frustfaktor seien alle froh, für eine Weile Abstand von Football zu finden. Verdutzt und erfreut hat Heiko Schreiber zur Kenntnis genommen, dass die Bulldogs keine Trainingspause einlegen wollen. »Die Spieler haben sich dafür ausgesprochen, die kommende Zeit zu nutzen, um weiter zu lernen.« Schließlich soll 2017 nach drei mageren Jahren mal wieder eine Hoch-Zeit her. Um wieder Schöpfer zu sein und nicht Opfer, regt Stefan Conrad zu einer Diskussion an: »Die Bulldogs müssen sich ganz neu erfinden. Das ist das Wichtigste. Damit wir wieder unbegrenzt Spaß haben. Egal, in welcher Liga.«

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