Valeska Vitts Start bei der U23-DM ist ein Abschied: Im August geht’s nach Texas »Das wird eine super Erfahrung«

Bielefeld (WB). Ein Duo der SV Brackwede vertritt die Bielefelder Farben bei den 73. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der U23 im Wattenscheider Lohrheidestadion: Amanal Petros und Valeska Vitt.

Von Jörg Manthey
SVB-Hindernisläuferin Valeska Vitt (im Wassergaben, hier bei der U20-DM) hofft auf ein taktisch geführtes Rennen. Eine Tempoverschleppung käme ihr wohl entgegen.
SVB-Hindernisläuferin Valeska Vitt (im Wassergaben, hier bei der U20-DM) hofft auf ein taktisch geführtes Rennen. Eine Tempoverschleppung käme ihr wohl entgegen. Foto: Jens Flassbeck

Ein erhöhter persönlicher Aufwand, gut strukturiertes Training, medizinische Tipps und ihre positive innere Haltung (»Ich gehe die Wettkämpfe zielstrebiger an«) haben gewirkt. Nach einem Seuchenjahr 2015 – aufgrund eines Knorpelschadens unterhalb der Kniescheibe musste Valeska Vitt lange zwangspausieren – blickt die 19-jährige Mittelstrecklerin auf starke Wochen zurück, lief zuletzt eine Bestzeit nach der nächsten. »Es ist in dieser Saison echt gut gelaufen. Ich bin selbst überrascht«, kommentiert sie die Salamitaktik und fühlt sich bereit für Großtaten. »Ich bin auf den Punkt topfit. Diese DM ist für mich aber eher eine Zugabe. Das Ziel war die Normerfüllung. Ich hoffe einfach nur auf ein gutes Rennen.« Heißt: nicht abgekocht zu werden.

Trainer traut Vitt Überraschung zu

Die Brackwederin, am Ende ihres Feldes gelistet, hatte das DM-Qualifikationskriterium von 12:00 Minuten beim 1. Bad Harzburger Leichtathletik-Meeting klar unterboten (11:41,42 min). Im zweiten Rennen über diese Distanz ließ sie bei den NRW-Titelkämpfen in Hilden nach einem meisterlichen Alleinlauf 11:36,35 Minuten folgen. In Wattenscheid folgt nun der dritte Streich.

Trainer Thomas Heidbreder traut seinem gereiften Schützling eine Überraschung zu. »Sie kann sich super konzentrieren und fokussieren. Das hat sich so entwickelt. Valeska weiß inzwischen, was sie kann. Sie trainiert konsequent und gewissenhaft. Vielleicht springt sogar eine Bestzeit heraus.« Doch sei in der Lohrheide ein ziemlich starkes Feld versammelt. »Und man darf nicht vergessen, dass es Valeskas erstes Jahr im U23-Bereich ist. Die Konkurrenz an der Spitze hat teils drei Jahre Trainingsvorsprung.«

Valeska Vitts Nervosität steigt. »Im Callroom werde ich total hibbelig sein. Aber das hört auf, wenn ich an der Startlinie stehe.« Dass 2014 die U20-DM an gleicher Stelle stattgefunden habe und sie somit um die Abläufe und örtlichen Gegebenheiten weiß, schenkt Sicherheit. Damals wurde sie in 7:14,14 Minuten (Kreisrekord!) mit nur einem nassen Fuß Elfte über 2000 Meter Hindernis. Ihr Wunsch: ein taktisch geprägtes Rennen am Sonntag. »Von hinten kann ich ganz gut laufen und aufholen. Diese Methode funktioniert bei mir am besten.«

Große Vorfreude auf die USA

Am 10. August verlässt Valeska Vitt Deutschland. Neue Wahlheimat: Texas. Genauer: Wichita Falls, zwischen Dallas und Oklahoma. »Ich habe ein Stipendium für die Midwestern State University erhalten.« Im Lande der »Mustangs« will sie Psychologie studieren und für das Laufteam der Uni starten. Die Zulassungstests hat sie bestanden und gestern in Berlin alle Visum-Formalitäten geklärt. Auf dem Campusgelände wird Valeska Vitt ein Zweierzimmer beziehen. »Mein neuer Trainer dort ist sehr engagiert«, freut sich Valeska Vitt auf »andere Impulse« Marke Koby Styles. »Ich werde in den USA deutlich mehr und intensiver trainieren können. Sport gehört dort viel mehr zum Alltag als hier.« 14 Mädels und ein mehrköpfiger Trainerstab gehören zu ihrer Laufgruppe. »Wir haben im Stadion eine eigene Laufbahn nur für uns. Die ganze Geschichte wird unglaublich und eine super Erfahrung für mich«.

In den USA laufe die Saison anders: Bahn von Januar bis März, Cross von September bis November.« Thomas Heidbreder betont, dass der Kontakt nicht abreißen werde. »Ich freue mich für sie und dass sie dem Leistungssport treu bleibt. Dieser Schritt wird Valeska auch in ihrer persönlichen Entwicklung voranbringen.« Die Sportlerin stellt sich moralisch darauf ein, dass sie in naher Zeit deutsches Brot und echten Bohnenkaffee vermissen dürfte. »Und Haribo«, grinst sie.

Amanal Petros ist klarer Titelfavorit

DM-Vorjahressieger Amanal Petros ist im Lohrheidestadion im 5000-Meter-Lauf der erklärte Gold-Favorit. Seine Meldezeit von 13:46,23 Minuten konnte der Führende jüngst in Belgien um mehr als sechs Sekunden toppen. Petros’ 13:40,01 Minuten stellten in der DLV-Bestenliste 2016 die viertschnellste Zeit dar. »Ich freue mich total«, sagt Petros. »Eine Bestzeit erwarte ich nicht. Ich will taktisch so laufen, dass es am Ende für den Titel reicht. Mal gucken, welche Temperaturen herrschen.« Das kleine Feld führt den Brackweder mit bekannten Rivalen wie dem Regensburger Duo Tim Cherif Ramdane (14:13,36 min) und Tobias Blum (14:17,44 min) oder Leif Gunkel aus Dortmund (14:20,69 min) zusammen. Für Petros ist die DM das Saisonende auf der Bahn. Als nächstes stehen am 11. September in Hamburg die Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf an.

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