Rugby: Bielefelderinnen wollen »Pioniere« in der Region werden Reiz für Kopf und Körper

Bielefeld (WB). Aggressive Tacklings, gebrochene Rippen, ausgeschlagene Zähne: Der Rugbysport hat nach wie vor mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Liv Glindemann will diese endgültig abbauen. Die 27-Jährige vom 1. Rugby-Club Bielefeld stellt derzeit eine Damenmannschaft auf – die erste in ganz Ostwestfalen-Lippe.

Von Philipp Bülter
Immer mehr Frauen begeistern sich für den Rugbysport. In OWL verläuft die Entwicklung indes noch recht schleppend. Das will unter anderem Maike Foraita (am Ball) beim 1. Bielefelder Rugby-Club ändern. Aktuell werden künftige Spielerinnen gesucht.
Immer mehr Frauen begeistern sich für den Rugbysport. In OWL verläuft die Entwicklung indes noch recht schleppend. Das will unter anderem Maike Foraita (am Ball) beim 1. Bielefelder Rugby-Club ändern. Aktuell werden künftige Spielerinnen gesucht.

Während Rugby in Ländern wie Australien, England, Frankreich oder Neuseeland Nationalsport ist, hat es das Spiel mit dem eiförmigen Ball in Deutschland nach wie vor schwer. Zu opulent erscheint das Regelwerk, zu wenige Vereine bieten Möglichkeiten der aktiven Teilnahme – insbesondere für Frauen.

Infiziert mit dem Rugby-Virus

Anders ist das mitten in der Leineweberstadt beim 1. Rugby-Club Bielefeld. Der Verein existiert seit 1988, die Herrenmannschaft spielt seit Jahren in der Regionalliga. Nun will der Klub eine eigene Damenmannschaft ins Leben rufen, die über kurz oder lang auch am Ligabetrieb teilnehmen soll. Es wäre die erste ihrer Art in ganz Ostwestfalen-Lippe.

Federführend hat diese Aufgabe Liv Glindemann übernommen. Die 27-Jährige ist nach ihrem Masterstudium der Psychologie aus Trier mittlerweile in ihre Heimatstadt Bielefeld zurückgekehrt. Vor eineinhalb Jahren hat sie sich in Rheinland-Pfalz mit dem Rugby-Virus infiziert. »Rugby ist anstrengend, körperbetont, aber nicht aggressiv, und macht großen Spaß. Man bekommt viele Reize für Körper und Geist«, erklärt sie. Insbesondere der Mannschaftsgeist sei für sie entscheidend: »Du kannst nur als Team funktionieren, alleine bist du komplett verloren.«

Aktuell trainiert Liv Glindemann mit Mitstreitern wie Maike Foraita noch bei den Männern des 1. RC mit. Auf Dauer soll sich das ändern, die Suche nach potenziellen Mitspielerinnen läuft. »Wir sind momentan meist nur maximal fünf oder sechs Mädels. Um konstant als Team zu spielen, brauchen wir schon zwölf Aktive. Wir wollen den Sommer nutzen und jeden ansprechen, der sich vorstellen könnte, mal bei uns mitzumachen«, sagte sie. Alle Interessierte können montags und donnerstags jeweils von 19 bis 20.30 Uhr beim Training am Leineweberring mitmachen.

Kampf gegen Vorurteile

Rugbyneulinge erhalten dann neben ersten Praxiseindrücken ebenso Einblicke in das umfangreiche Regelwerk. »Das Regelbuch beim Rugby ist dick. Wir erklären immer wieder Übungen und Spiele und wollen so das Bewusstsein schärfen«, sagt Liv Glindemann. Durch den Selbsttest könne man schnell feststellen, dass Rugby zwar körperbetont, aber keineswegs aggressiv gespielt wird. Gebrochene Rippen oder blutige Nasen habe sie noch nie gesehen. »Beim Rugby sind die Gegner im Spiel oder im Training unter­einander genauso wie die Zuschauer friedlich. Wir pflegen hier eine tolle Kameradschaft, und das macht das Ganze aus«, erklärt die Psychologin.

Momentan gehen sie und ihre Mitstreiterinnen bei Turnieren oft noch als so genannte »Piratinnen« an den Start. Als Spielerinnen ohne festes Team füllen sie dementsprechend bereits bestehende Mannschaften auf. Für die angestrebte »Emanzipation« einer eigenen Mannschaft, wie Liv Glindemann den derzeitigen Prozess beschreibt, steht mit Rugby-Club-Coach Stewart Stark indes bereits kompetente Hilfe an der Seitenlinie bereit.

Die nötige Physis oder komplexe Spielsysteme sollten Neulinge nicht vom Selbstversuch abhalten. »Es ist wirklich ein Sport für Jedermann. Wir als Verein haben total großen Bock darauf, dass ein Damenteam bei uns heranwächst«, versichert Liv Glindemann. Eben ganz Pionierin.

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