3. Tischtennis-Bundesliga: Placek spielt künftig in Franzensbad – Defensivkünstler Hutter freut sich auf Brackwede »Die besten Jahre in meiner Karriere«

Bielefeld (WB). Frantisek »Ferry« Placek (26) verlässt die SV Brackwede nach vier Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Künftig hat der Prager wohl mehr Zeit für Freundin, Beruf und Pudel. Doch die Nummer eins des Tischtennis-Drittligisten weiß, dass er guten Freunden den Rücken kehrt.

Von Jörg Manthey
Frantisek »Ferry« Placek (links) verlässt nach vier Jahren die SV Brackwede. Zum Abschied steuerte er beim 6:2-Sieg über den TTC Düppel drei Punkte bei. Neuer Spitzenspieler in der 3. Liga – und eine Art »Vaterfigur« für die drei neuen Burschen – wird Lei Yang.
Frantisek »Ferry« Placek (links) verlässt nach vier Jahren die SV Brackwede. Zum Abschied steuerte er beim 6:2-Sieg über den TTC Düppel drei Punkte bei. Neuer Spitzenspieler in der 3. Liga – und eine Art »Vaterfigur« für die drei neuen Burschen – wird Lei Yang. Foto: Peter Unger

Lebewohl und Perspektive: Der letzte Saison-Spieltag des Tischtennis-Drittligisten SV Brackwede stand am Sonntag ganz im Zeichen des Wandels. Noch einmal trumpfte der Tschechische Vizemeister auf, feierte an der Seite Lei Yangs einen überzeugenden Doppelsieg und erkämpfte in bekannter Manier zwei Einzelpunkte gegen den TTC Düppel. »Ich habe mich hier unglaublich wohl gefühlt und die besten Jahre in meiner Karriere gehabt«, bekannte Placek. »Hier bin ich richtig stark geworden. Der Aufstieg in die 2. Liga war das schönste Erlebnis. Ich bin auch ein bisschen traurig. Doch die langen Strecken von Prag nach Brackwede waren schon kraftraubend und die Fahrerei oft nicht ganz ungefährlich.« Als Veranstalter namhafter Tischtennisturniere in Prag und Mitinhaber eines TT-Shops wird Frantisek Placek die neuen Zeitressourcen gewinnbringend nutzen. An der Platte wird er ebenfalls weiter stehen: in der höchsten tschechischen Liga, im nahen Františkovy Lázně(Franzensbad). »Da spiele ich mit meinen Kumpels zusammen«, sagt Placek, zugleich Manager des neu lizensierten Klubs.

»Niemals geht man so ganz«, tönte Trude Herr nach dem 6:2-Sieg über TTC Düppel blechern aus den Lautsprechern in der Brackweder Gymnasiumhalle. Placek ging es sichtlich nahe. Doch es wird nicht lange dauern, bis er zurückkommt. Am 30. April gibt er seinen endgültigen Ausstand. Dieses Ereignis wollen sich auch Ex-Spieler wie Erik Bottroff oder Klaas Lüken nicht entgehen lassen. Apropos Bottroff: List hat bereits erste Gespräche zwecks einer Rückholaktion des »Königs« zur Saison 2017/18 geführt.

Hinterher wurden in der »Hütte« die Reste des spanischen Büffets von der ersten Abschiedsparty des Vortages vertilgt. Auch der erste Neuzugang wurde bei dieser Gelegenheit gleich eingeführt.

Eines der größten Talente Deutschlands

Offiziell vorgestellt am Sonntag: Balazs Hutter (18). Die Nummer zwei beim Regionalligisten ASV Süchteln, in Budapest geboren, gilt als eines der größten Talente seines Jahrgangs in Deutschland. Der Ratinger trainiert im Internat des Deutschen Tischtennis-Bundes in Düsseldorf. Als klassischer Abwehrspieler pflegt er einen höchst attraktiven Stil. Hutter war schon Teil des U23-Projektes mit Zielrichtung Olympische Spiele 2020. Cheftrainer Helmut Hampl hatte den C-Kaderathleten in diese Fördergruppe berufen, die mit Intensiv-Lehrgängen geschult wird. In diesen erlauchten Zirkel möchte er sich dauerhaft reinkämpfen. Lei Yang, der künftig zur Nummer eins der SVB aufrückt, ist Trainer in diesem Programm und hat Hutters Wechsel mit eingefädelt. »Ich möchte mich weiter steigern und sehe in Brackwede Top-Voraussetzungen dafür«, begründet Hutter sein Kommen. »Außerdem passt es hier auch mannschaftlich.« Maximilian Dierks, zweiter Neuzugang, feierte gestern mit dem SV Bolzum die Meisterschaft in der Regionalliga Nord. Linkshänder Dwain Schwarzer, Dritter im Bunde, hat mit Schwalbe Tündern noch eine finale Chance, der Abstiegsrelegation zu entgehen.

Am kommenden Wochenende spielt Hutter bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften in Essen und flirtet mit einem Treppchenplatz. »Ich möchte wie 2015 bei der EM starten«, sagt er. Wenn bloß der Abiturstress keinen Strich durch die Rechnung macht. Die Prüfungen in Sport, Mathe und Englisch hat er hinter sich. Mittwoch steht die mündliche in Geschichte an.

Im vorigen Jahr absolvierte Balazs Hutter mit einer Delegation des WTTV ein Trainingslager in Schanghai. Eine Attraktion der erlebnisreichen elf Tage: ein Treffen mit dem dreimaligen Einzel-Weltmeister Wang Liqin (2001, 2005, 2007).

Ach ja, Tischtennis gespielt wurde auch noch vor der Minuskulisse von knapp 60 Zuschauern. Die Brackweder, die an Position vier Drittliga-Debütant Silas Fritz aufboten, ließen beim 6:2-Sieg (19:11 Sätze) gegen den ebenfalls ersatzgeschwächt angetretenen TTC Düppel von Beginn an keine Überraschung zu. Brackwede schließt die Saison damit auf Tabellenplatz fünf ab. Stefan Höppner, der das Düppelner Quartett hinterher zum Bahnhof brachte, war zum Ende hin ebenfalls wehmütig zumute. Sieben Jahre führte er die Mannschaft als Kapitän an und wechselt nun freiwillig in die Reserve.

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