Hermannslauf: Vorjahressieger Florian Reichert konzentriert sich auf WM-Qualifikation Sansar-Bezwinger sagt ab

Bielefeld (WB). Vor einem Jahr stoppte Florian Reichert die eindrucksvolle Siegesserie des Hermannslauf-Dominators Elias Sansar und legte zum ersten Mal die letzten Meter an der Sparrenburg mit dem Siegerkranz zurück. Dieses Gefühl wollte der 34-Jährige aus Göttingen am 24. April eigentlich noch einmal erleben. Doch nun ist ihm etwas dazwischengekommen.

Von Hans Peter Tipp
Florian Reichert beim Hermannslaufsieg 2015: Dieses Mal wird der Göttinger nicht starten .
Florian Reichert beim Hermannslaufsieg 2015: Dieses Mal wird der Göttinger nicht starten . Foto: O. Schwabe

Streng genommen sind es genau 65 Kilometer, die Reichert von einem weiteren Start beim Teuto­Klassiker abhalten. Über diese Distanz läuft der Langstreckenexperte an diesem Sonntag beim 6. Bilstein-Marathon im nordhessischen Naturpark Meißner-Kaufunger Wald, wo die lange Strecke über eben jene 65 Kilometer gleichzeitig als Deutsche Meisterschaft im Ultratrail ausgeschrieben ist.

»Da passt mir leider in diesem Jahr auch der Hermannslauf nicht wirklich in die Planung, da ich eine Woche nach der DM-Ultratrail nicht gleich schon wieder einen Wettkampf laufen kann«, teilte der aktuelle Hermannslaufsieger gestern auf Anfrage dieser Zeitung mit.

DM ist besonders wichtig

Die DM ist für Reichert deshalb besonders wichtig, weil er dort als B-Kaderathlet und Mitglied der deutschen Berglauf-Nationalmannschaft den geforderten Leistungsnachweis für die Nominierung zur Langstrecken-WM am 18. Juni in Slowenien erbringen kann. Und die ist für Reichert, der im vergangenen Jahr als WM-13. ein sensationelles Debüt auf der internationalen Ebene gefeiert hatte, das größte Ziel des Jahres.

Weil dem Göttinger der ostwestfälisch-lippische Kultlauf bei seinen Starts (zweimal Zweiter, einmal Erster) aber so sehr ans Herz gewachsen ist, hatte er sich bis zuletzt die Tür zum Start am Hermannsdenkmal offengehalten.

Letzten Endes aber machten auch gesundheitliche Probleme seinen Plan zunichte, statt des Ultra-Marathons am Bilstein den ebenfalls als Leistungsnachweis möglichen Berliner Halbmarathon zu laufen.

»Fies erwischt«

»Mich hatte es in diesem Winter zum ersten Mal seit Jahren dreimal richtig fies erwischt, und ich war mehrere Wochen am Stück krank«, berichtete Reichert gestern: »Danach habe ich gemerkt, dass mir der Übergang zu den schnellen Einheiten, die ich für einen guten Halbmarathon oder auch den Hermannslauf unbedingt brauche, sehr schwer fällt.«

Konsequent verzichtete der Göttinger daher am vergangenen Sonntag auf den Start in Berlin, und das war auch die Entscheidung gegen den Hermann. Bereits am 7. Mai steht für Reichert das nächste läuferische Highlight an. Dann startet der Trailrunningexperte bei der Transvulcania auf der Kanareninsel La Palma. Reichert: »Das ist einer der größten und prestigeträchtigsten Läufe der Skyrunning World Series und geht über 78 Kilometer und 4400 Höhenmeter.«

Weg frei für Sansar?

Nach Reicherts Startverzicht scheint beim Hermannslauf der Weg für Rekordgewinner Elias Sansar frei zu sein. Der achtfache Sieger hatte sich beim Paderborner Osterlauf nach seinem Halbmarathon mit seiner Form zufrieden gezeigt. Sansar wird am 24. April am Hermannsdenkmal auf jeden Fall am Start erwartet, obwohl sein Name (schon traditionell) zum jetzigen Zeitpunkt noch in der Starterliste fehlt.

Zwischen Reichert und Sansar hatte sich 2015 der gebürtige Eritreer Yohannes Hailu Atey (TuS Deuz) geschoben. Ob der Vize, der auch beim Silvesterlauf Werl-Soest Zweiter war, jetzt den Angriff auf den Lorbeerkranz wagt, bleibt offen. Wie Sansar hat auch er sich noch nicht angemeldet.

Obwohl Anfang Januar binnen vier Stunden alle 7000 Teilnehmerplätze ausgebucht waren, sind über die offizielle Startbörse des veranstaltenden TSVE 1890 Bielefeld noch Startkarten erhältlich. Die letzte Chance zum Mitmachen gibt es einen Tag vor dem Startschuss. Bei der Läufermesse am Samstag, 23. April, werden immer noch Startnummern getauscht.

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