Fortuna Hjørring düpiert die deutsche Konkurrenz – Planungen für »Weltklasse 2017« laufen bereits Ein stolzer Überraschungssieger

Bielefeld (WB). »Wir haben wieder tollen Frauenfußball gesehen und sind rundum zufrieden.« Turnierchef Olaf Beugholt zieht nach zwei stressigen Turniertagen ein positives Fazit der »Weltklasse«-Veranstaltung in der Sporthalle Jöllenbeck, die in Fortuna Hjørring einen Überraschungssieger fand.

Von Arndt Wienböker
Turnierfavorit Turbine Potsdam (hier mit Viktoria Schwalm) musste sich im Halbfinale dem späteren Sieger Fortuna Hjørring (hier mit Nationalspielerin Line S. Jensen) mit 0:3 geschlagen geben. Potsdam wartet seit 2010 auf einen Triumph in Jöllenbeck.
Turnierfavorit Turbine Potsdam (hier mit Viktoria Schwalm) musste sich im Halbfinale dem späteren Sieger Fortuna Hjørring (hier mit Nationalspielerin Line S. Jensen) mit 0:3 geschlagen geben. Potsdam wartet seit 2010 auf einen Triumph in Jöllenbeck. Foto: Thomas F. Starke

Zum siebten Mal trat der achtmalige dänische Meister in Jöllenbeck an, zum ersten Mal gewann das Team den Pokal der Sparkasse Bielefeld. Bei ihrer Turnier-Premiere im Jahr 2006 hatte Hjørring auch das Finale erreicht, dann aber gegen Turbine Potsdam den Kürzeren gezogen. Diesmal hielt Fortunas amerikanische Torhüterin Aubrey Bledsoe den Sieg für die Däninnen fest, indem sie im  Neunmeterschießen des Endspiels gegen Vorjahressieger Bayer Leverkusen zwei Strafstöße parierte. »Hjørring hat konstant gespielt und sich den Triumph darum auch verdient«, urteilt Olaf Beugholt. Der verabredete mit Hjørrings Trainer Brian Sörensen (»Wir sind stolz, dass wir dieses Turnier gewinnen konnten«) auch sogleich ein Wiedersehen im Januar 2017.

Emotionaler Moment

Nicht mehr dabei sein wird im nächsten Jahr Potsdams Trainer Bernd Schröder. Als Beugholt dem 73-Jährigen, der im Sommer nach 45 Jahren seine einzigartige Trainerlaufbahn in Potsdam beenden wird, am Sonntag zum Abschied einen Bielefeld-Leineweber überreichte, war es »für beide ein sehr emotionaler Moment«. Schröder, der erfolgreichste Frauentrainer Deutschlands, hatte sich bei seinem letzten Auftritt in Bielefeld natürlich noch einmal den Turniersieg – zuletzt triumphierte Turbine im Jahr 2010 in Jöllenbeck – gewünscht. Doch das 0:3 im Halbfinale gegen Hjørring ließ diesen Wunsch platzen. »Ich leide wie ein Hund, dass wir das Halbfinale verloren haben«, sagte Schröder in der ihm eigenen Art. Als Trost blieb am Ende nur Platz drei.

Die Entwicklung im deutschen Frauenfußball, die er selbst über Jahrzehnte mitgeprägt hat, hält der Champions-League-Sieger von 2010 nicht in allen Belangen für vorteilhaft. Bernd Schröder: »Die Komfortzone der Spielerinnen ist zu groß geworden. Früher war ich der Alleinunterhalter, heute haben wir ein Funktionsteam, das sich um alles kümmert. Dabei können bei den Spielerinnen Werte wie Pflichtbewusstsein oder Zuverlässigkeit auf der Strecke bleiben.«

Die Mannschaft von Turbine Potsdam dürfte als Dauergast in Jöllenbeck auch ohne ihre Trainer-Ikone 2017 zum Teilnehmerfeld gehören. Auch Leverkusen, SGS Essen oder Sparta Prag haben sich etabliert. Die Turnierneulinge Benfica Lissabon, RSC Anderlecht und Bundesliga-Aufsteiger Werder Bremen mussten dagegen Lehrgeld zahlen. »Anderlecht hat sich aber gesteigert und mit Platz fünf noch ein ordentliches Ergebnis erzielt«, meint Olaf Beugholt.

Das Abenteuer mit Lissabon – der portugiesische Meister spielte zum ersten Mal überhaupt in der Halle – dürfte dagegen eine einmalige Angelegenheit gewesen sein. Lissabon hatte zwar mächtig Spaß, einige Spielerinnen kickten sogar ein wenig im Schnee, dem Motto des Turniers konnte das Team aber nicht gerecht werden. »In der Halle ist Lissabon nicht so der Bringer«, gibt auch Olaf Beugholt zu.

OWL-Auswahl als Idee

Mit Blick auf das nächste Jahr werden die Organisatoren wohl wieder ihre Fühler in Richtung Schweden oder Norwegen ausstrecken. Die Jöllenbecker würden auch gerne mal ein Team aus England oder Frankreich präsentieren. Das würde aber aus terminlichen Gründen nicht klappen. Gleiches gilt für die Frauen des FC Bayern München. »Dafür stehen wir in Kontakt mit den deutschen Spitzenklubs VfL Wolfsburg und 1. FFC Frankfurt«, berichtet Beugholt. Zudem hat der Turnierchef eine Idee im Kopf, um den regionalen Aspekt zu stärken: »Ich könnte mir durchaus eine OWL-Auswahl mit Spielerinnen von Arminia, Gütersloh und Herford vorstellen, weiß aber nicht, ob das umsetzbar wäre. Man könnte zumindest mal drüber nachdenken.«

Olaf Beugholts Dank gilt auch den 70 bis 80 freiwilligen Helfern des TuS Jöllenbeck. »Ein eingespieltes Team, ohne das so ein Turnier gar nicht möglich wäre.« Zufrieden zeigt sich Beugholt auch mit der Zuschauer-Resonanz. Etwa 1500 Zuschauer kamen an den zwei Turniertagen in die Halle. Der 37. »Weltklasse«-Auflage im Jahr 2017 steht also nichts im Wege.

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