Thomas Boerscheper bleibt Handball-Kreisvorsitzender – 100-Euro-Gabe pro Nachwuchsteam – Puls löst Kipp ab Jugendarbeit wird honoriert

Bielefeld (WB). »Wunderbar« und »super harmonisch« – so hat  Thomas Boerscheper den 19. ordentlichen Handball-Kreistag empfunden. Der Vorsitzende, seit 2006 im Amt, wurde im Herforder »Jägerkrug« von den insgesamt 57 Delegierten einstimmig wiedergewählt. Große Einmütigkeit herrschte auch bei der Neubesetzung der weiteren Vorstandsposten.

Von Lars Sundermann und Jörg Manthey
Verabschiedung beim Kreistag des Handballkreises Bielefeld-Herford, von links: Patrick Puls (der Jungenwart ist neuer Leiter Spieltechnik/Männerspielwart), Finanzchef Patrick Pfitzer (Nachfolger: Heiko Horn, VfB Jöllenbeck), Ralf Kipp sowie  Schiedsrichterwart Jürgen Wendland, dessen Bereich   Sven Windmann übernommen hat. Rechts der alte und neue Kreisvorsitzende Thomas Boerscheper.
Verabschiedung beim Kreistag des Handballkreises Bielefeld-Herford, von links: Patrick Puls (der Jungenwart ist neuer Leiter Spieltechnik/Männerspielwart), Finanzchef Patrick Pfitzer (Nachfolger: Heiko Horn, VfB Jöllenbeck), Ralf Kipp sowie Schiedsrichterwart Jürgen Wendland, dessen Bereich Sven Windmann übernommen hat. Rechts der alte und neue Kreisvorsitzende Thomas Boerscheper. Foto: Lars Sundermann

Boerscheper hielt  für die anwesenden Vereinsvertreter an  Dienstagabend ein besonderes Bonbon parat: Für jede gemeldete Jugendmannschaft wird   der Kreis eine 100-Euro-Prämie an die Klubs  ausschütten, insgesamt 18000 Euro. »Es geht uns finanziell gut. Davon sollen alle profitieren. Warum sollen wir weiter ansparen?«

Ein Höhepunkt des Abends war die Ehrung und Verabschiedung langjähriger und verdienter Vorstandsmitglieder. Jungenwart  Patrick Puls bekam  die Silberne, Finanzwart Patrick Pfitzner   die Goldene Ehrennadel des Handballkreises  überreicht.  Der bisherige Spielwart  Ralf Kipp (TSV Altenhagen), der sich nach 30-jähriger Tätigkeit »zu einem guten Zeitpunkt« aus der Führungsriege  zurückzog, wurde  die Goldene Ehrennadel  des Handballverbandes Westfalen sowie ein 150-Euro-Gutschein für Konzertbesuche überreicht. »Seit eineinhalb Jahren war bekannt, dass ich mich künftig in meiner Position als Geschäftsführer des TSV Altenhagen  mehr der   Vereinsarbeit widmen   will. Mit Patrick Puls habe ich den besten Nachfolger, den es in der Region gibt. Das wird ein fließender Übergang.«

Ehrennadel in Silber für Jürgen Wendland

   
Größte Ovationen  der Delegierten wurden  Ex-Schiedsrichterwart Jürgen Wendland zuteil.  Für 40-jährige Tätigkeit bekam der die  Ehrennadel in Silber des Deutschen Handballbundes verliehen, die  zweithöchste Auszeichnung überhaupt. »Es war immer eine schöne Zeit, mit euch  arbeiten zu dürfen. Wer den Handball liebt, der muss weitermachen und diesen Sport am Leben erhalten«, sagte Wendland  sichtlich gerührt.

 Thomas Boerscheper überraschte   Kipp und  Wendland noch mit einer besonderen Geste. Er stellte an die Delegierten  den Antrag, Kipp als Ehrenvorstandsmitglied mit Stimmrecht und Wendland mit seinem langjährigen Schiedsrichterkollegen Hans-Jürgen Rinnensland zu Ehrenmitgliedern des Handballkreises zu ernennen. Dem   wurde einstimmig stattgegeben. »Das haben sie ja geschickt geregelt, um mich weiter in die Pflicht zu nehmen«, schmunzelte Kipp.

 
Einmütigkeit  herrschte auch bei den Wahlen.   Patrick Pfitzer ist   als Finanzwart  von Heiko Horn vom VfB Jöllenbeck abgelöst worden. Der fehlte in Herford   aus gesundheitlichen Gründen. »Heiko hat vor drei Jahren als Kassenprüfer angefangen und dabei die Finanzarbeit kennengelernt«, erklärte Boerscheper stellvertretend.   Jungenwart Patrick Puls tritt als Männerspielwart und Leiter Spieltechnik in die Fußstapfen  Ralf Kipps.  Die weiteren Vorstandsmitglieder  wurden wiedergewählt.  Einzig die Stelle des Pressewartes blieb   unbesetzt. »Diese Position ist nicht mehr zeitgemäß. Die Informationen verbreiten sich über die neuen Medien einfach schneller«, erläuterte Thomas Boerscheper.

Thema ist die Entwicklung des Handballs

Die Versammlung thematisierte zudem die  aktuelle und teils  bedrohlich wirkende  Entwicklung  der Sportart Handball. Als die Deutsche Nationalmannschaft 2007 die  Weltmeisterschaft im eigenen Land gewann, folgte  auch in der Region   ein   Ansturm  auf die Vereine. Diese  Euphorie sei  längst abgeebbt. Die Vereine beklagen einen immer größer werdenden   Mitgliederrückgang. »Wir werden darauf reagieren müssen. Das war auch  Thema bei der Präsidiumssitzung des Handballverbandes Westfalen am Sonntag in Unna«, so Boerscheper, der in diesem Zusammenhang Vokabeln wie »weniger Spieltage«, »Verschmelzungen« oder  »Kreiskooperationen« benutzte. »Doch das ist noch ein Blick in die Glaskugel.« Ein erster fest fixierter Schritt sei, die Bezirksligisten unter das Verwaltungsdach der Kreise zu holen, mit 14er-Staffeln bei den Männern und 12-er Staffeln bei den Frauen.

 »Wir haben Nachwuchsprobleme und müssen kämpfen, dass unsere schöne, schnelle Sportart bestehen bleibt«,  mahnte auch  Landrat und Ehrengast  Jürgen Müller.   Zum ersten Mal seit  acht Jahren sei   die Anzahl der spielenden Mannschaften    mit 244 auf unter 300 gerutscht – ein   drastischer Rückgang. Einen weiteren Ansatz   sieht der     Landrat in der  Hallenproblematik. »Viele Sporthallen in der gesamten Republik werden zurzeit für die Flüchtlinge genutzt. Ich finde, hier sollten wir eher eine Chance als nur das Negative sehen«, appellierte er an die 29 Vereine des Kreises und erläuterte  erhoffte Früchte des Vorgehens: »Wir müssen die Flüchtlinge in die Gesellschaft integrieren und können dies mit Hilfe des Sports schaffen. Vielleicht gibt es darunter ja auch talentierte und motivierte Handballer.«

Kreisvorsitzender  Thomas Boerscheper nutzte den Kreistag zu einem Seitenhieb in Richtung des   Deutschen Handballbundes (DHB) angesichts  dessen Querelen auf höchster  Präsidiumsebene.  »So  wie der DHB momentan auftrifft, ist es nicht gut. Das  wirft automatisch ein schlechtes Licht auf den gesamten Sport.«

Boerscheper  nahm  sich und die  Kreisvereine in der Pflicht, die Basis für eine nachhaltige Zukunft    zu bilden. Er   bedankte sich bei den Anwesenden  mit der Präsentation einer selbst gefertigten, musikalisch untermalten  Filmcollage und erinnerte damit  an   erfolgreich durchgeführte Projekte in seiner Legislaturperiode mit Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus;  ob Handballcamps, Torwart-Stützpunkttraining, Junior-Trainer-  oder Edis-Schiedsrichterausbildung.

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