11. Paris Open abgesagt: Beklemmendes Saisonende für Taekwondo-Ass Cem Ünlüsoy Auf dem richtigen Weg

Bielefeld (WB). Für Cem Ünlüsoy (21) ist die Wettkampfsaison auf bedrückende Weise zu Ende gegangen. Der Deutsche Taekwondo-Meister von Songokus Bielefeld weilte in der Terrornacht in der französischen Hauptstadt und wollte bei den 11. Paris Open starten. Das Turnier wurde wegen der unübersichtlichen Lage kurzfristig abgesagt.

Von Jörg Manthey
Trainieren und Reisen wie ein Profi: Sportsoldat Cem Ünlüsoy klettert in der Weltrangliste langsam nach oben.
Trainieren und Reisen wie ein Profi: Sportsoldat Cem Ünlüsoy klettert in der Weltrangliste langsam nach oben. Foto: Bernhard Pierel

Ünlüsoy war fernab des Geschehens, im Hotel Campanile im Stadtzentrum von Kremlin-Bicêtre südlich von Paris (13. Arrondissent), als ihn eine WhatsApp-Nachricht vom Fußball guckenden Bundestrainer Aziz Acharki erreichte. Dessen Order: »Pass auf dich auf! Verlass dein Zimmer nicht!« Der Bielefelder Taekwondoka dachte an Fan-Krawalle und tat, wie ihm geheißen. Erst am Morgen, beim Anschalten des Fernsehers, registrierte er das ganze Ausmaß der Geschehnisse. »Ich habe nichts mitbekommen. Da war ich im Schockzustand. Mir war ziemlich mulmig zumute.« 

Wegen der Verhängung des Ausnahmezustandes blieb die Halle Georges Carpentier am Boulevard Massena geschlossen. Denis Odjo, der Präsident des Französischen Taekwondo-Verbandes, sagte die Paris Open am frühen Samstag ab. »Die Sicherheit der Teilnehmer, Zuschauer, Offiziellen und freiwilligen Helder hat Vorrang.«
Am Sonntag war Cem Ünlüsoy wieder zu Hause. Tags darauf begann in Hennef, Stützpunkt der Deutschen Taekwondo-Union (DTU), ein gemeinsamer Lehrgang der Nationalmannschaften Deutschlands und Venezuelas.

Seit er nicht mehr bei Benteler als Zerspanungsmechaniker im Schichtdienst arbeitet, sondern der Sportfördergruppe Sonthofen angehört, hat der Obergefreite Ünlüsoy nahezu Profistatus und bewegt sich wettkampftechnisch bei Turnieren in ganz Europa auf Weltklasseniveau. »Serbien, Kroatien, Polen, Israel, Holland«, zählt Ünlüsoy angesteuerte Länder auf. »Siege konnte ich nicht erreichen. Doch ich stand mehrfach im Viertelfinale.« Etwa bei den 21. Kroatien Open. Nach zwei Siegen und zwei Niederlagen sah er sich im Viertelfinale dem türkischen Vizeweltmeister gegenüber und unterlag nur knapp nach Punkten 4:6.

Die Marschroute des 80-kg-Kämpfers für 2016: Möglichst viele Grand-Prix-Turniere bestreiten, um Punkte zu sammeln und in der Weltrangliste weiter nach oben zu klettern. Bundestrainer Aziz Acharki, wie die Bielefelderin Fadime Helvaciuoglu 2000 in Sydney für Deutschland auf der Taekwondo-Matte, hält große Stücke auf den Songokus-Mann. »Cem ist auf dem richtigen Weg. Er macht eine enorme Entwicklung durch, ist physisch absolut top drauf und charakterlich ein erstklassiger Athlet. Es ist noch eine lange Strecke bis Olympia 2020. Doch wenn Cem seine Einstellung beibehält, ist er mit Sicherheit ein Kandidat für diese Spiele.« Genau das ist Ünlüsoys Vision: das Tokio-Ticket. Dafür »möchte ich, so lange es geht, Sportsoldat bleiben. Diese Voraussetzung bietet mir alle Chancen, mein Ding zu machen. 2016 habe ich viel vor. DM-Titel verteidigen, EM-Start, WTF President Cup...« Erstmal geht’s demnächst in den Urlaub, weil er nicht zum Grand Prix-Finale mitfährt. »Das ist mein erster in diesem Jahr. Knapp zwölf Tage Familienbesuch in der Türkei. Diese Zeit muss sein.« Ex-Weltmeister Tahir Gülec wird die deutschen Farben Anfang Dezember in Mexiko vertreten. Den bis 2020 vom Sockel gestoßen zu haben, ist das Begehr des Herausforderers vom Teuto.

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