Dornbergs Manager Hans-Werner Freese erläutert den Rückzug und sieht in dem Neustart eine große Chance »Odonkor war ein großer Fehler«

Bielefeld (WB). Viele Jahre lang gehörte der TuS Dornberg zu den sportlichen Aushängeschildern in der Bielefelder Fußball-Landschaft. Damit ist es jetzt vorbei. Nach dem Abstieg aus der Westfalenliga und dem freiwilligen Rückzug in die Bezirksliga, wo es 2016 einen Neustart geben wird, kicken die selbst ernannten »Besten im Westen« in der kommenden Saison als TuS Dornberg II in den Niederungen der Kreisliga C. Manager Hans-Werner Freese (64) erläutert im Gespräch mit WB-Sportredakteur Arndt Wienböker die Gründe für den Rückzug und stellt sich auch unangenehmen Fragen:

Die goldenen Zeiten des TuS Dornberg sind vorbei, aber darin sieht Manager Hans-Werner Freese auch eine Chance. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, versichert der 64-Jährige.
Die goldenen Zeiten des TuS Dornberg sind vorbei, aber darin sieht Manager Hans-Werner Freese auch eine Chance. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, versichert der 64-Jährige. Foto: Arndt Wienböker

Herr Freese, mit einigen Wochen Abstand: War der Abstieg aus der Westfalenliga ein Fluch oder ein Segen für den Verein?
Hans-Werner Freese: Von beidem ein bisschen. Sportlich sicherlich ein Fluch, weil wir einen Verlust zu beklagen haben. Finanziell aber auch ein Segen, weil wir nicht länger die Gefangenen unseres Etats sein wollten.

Was ist denn sportlich schief gelaufen?
Freese: So ziemlich alles. Wir hatten einen Kader beisammen, der vom Potenzial her eigentlich um die Plätze fünf bis sechs hätte mitspielen können. Aber wir hatten charakterlich große Probleme im Team. Hier hat sich immer alles nur ums Geld gedreht und nicht um den Fußball. Als unsere Überlegungen bezüglich des Rückzugs dann öffentlich wurden, wurde es immer schlimmer, und wir sind sogar noch Letzter geworden. Die Saison hat deutlich gezeigt, was ich eh’ schon wusste: Dankbarkeit gibt es im Fußball nicht.

Als Manager sind Sie verantwortlich für die Kaderplanung und die Trainerauswahl. Was werfen Sie sich selbst vor?
Freese: Die Kaderplanung hat nicht gepasst und die Trainerplanung schon gar nicht. Das nehme ich auf meine Kappe.

Etwas konkreter bitte: Wie bewerten Sie im Nachhinein die Verpflichtung von Ex-Nationalspieler David Odonkor als Nachfolger des zuvor entlassenen Istvan Gal?
Freese: Das war ein großer Fehler, den ich mir ankreiden muss. Nach Istvan Gal ist die Mannschaft führungslos gewesen. Die Episode Odonkor ist nicht zu bewerten, weil es eigentlich keine gegeben hat. Was hängen bleibt, sind nur die vielen Autogrammwünsche, die bei mir eingegangen sind.

In den letzten Jahren – seit dem Weggang von Trainer Mario Ermisch nach Rödinghausen und dem Aufstieg in die NRW-Liga 2011 – hat es keine Kontinuität gegeben. Welche Lehren zieht der Verein daraus?
Freese: Es hat ein Umdenken stattgefunden. Wir hatten gehofft, dass hier mit dem sportlichen Erfolg etwas wächst, aber das war nicht der Fall. Mit Mario Ermisch sind damals 15 oder 16 Spieler weggegangen. Da waren wir gezwungen, eine komplett neue Mannschaft aufzubauen. Ich habe jungen Trainern wie Frederic Kollmeier, Zafer Atmaca oder Istvan Gal eine Chance gegeben, was nicht so gegriffen hat wie erhofft. Hinzu kam, dass uns in den letzten Jahren große Sponsoren verlassen haben, was ein Loch von etwa 40?000 Euro in die Kasse gerissen hat. Ohne die finanzielle Hilfe von unserem 2. Vorsitzenden und Gönner Hartmut Ostrowski hätten wir die laufenden Kosten in dieser Zeit nicht mehr bezahlen können. Das alles sind Gründe dafür, dass es sportlich bergab ging.

Sie sprachen von einem Umdenken im Verein. Wie sieht das aus?
Freese: Wir werden verstärkt in die eigene Jugendarbeit investieren, damit wir auch mal einen A-Jugendlichen in die erste Mannschaft bekommen. Für unsere neue C-Jugend, die 2015/16 der älteste Jahrgang sein wird, haben wir Nurettin Barka als kompetenten Trainer gewinnen können. Wir haben also aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und wollen einiges besser machen.
 
Nun kommt das »Sabbatjahr« 2015/16 in der Kreisliga C mit Trainer Adis Hasic: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in dieses Übergangsjahr?
Freese: Wir wollen Spaß haben und nach Möglichkeit in die Kreisliga B aufsteigen. Sechs, sieben Spieler aus unserer Reserve sind geblieben – sechs, sieben Neue holen wir dazu. Anfang August beziehen wir mit dieser Mannschaft sogar ein dreitägiges Trainingslager in der Rhön. Das gönnen wir uns einfach mal.

Und dann kommt 2016 der Neustart als Dornberg 2.0 in der Bezirksliga. Welche Ziele werden ab diesem Zeitpunkt verfolgt?
Freese: Wir haben mit Thies Kambach und Janis Theermann ein sehr gutes Trainergespann für den Neustart gewinnen können, das jetzt ein Jahr Vorlaufzeit hat. Das schönste ist, dass wir die ganze Sache völlig ohne Druck angehen. Wir stehen finanziell auf gesunden Beinen und wollen jetzt in Nachhaltigkeit investieren. Wenn der TuS Dornberg 2016 mit seiner ersten Mannschaft in der Bezirksliga und der Reserve in der Kreisliga B spielen würde, wäre das eine gute Konstellation. Wir hätten ja auch nächste Saison in der Landesliga weitermachen können, aber das wollten wir nicht, weil sich dann wieder alles ums Geld gedreht hätte. Glauben Sie mir: Das ist alles durchdacht und der richtige Weg. Vereine wie Wellensiek, SCB oder Jöllenbeck sind im Seniorenbereich ähnlich aufgestellt.

Und was soll den neuen TuS Dornberg auszeichnen?
Freese: Wie gesagt, wir wollen attraktiven Fußball spielen und ein ambitioniertes Team für die Bezirksliga an den Start bringen, was durchaus aufsteigen dürfte. Bei uns wird es aber keine Spieler mit festen Gehältern mehr geben, sondern nur noch Prämien. Auch das hat uns die Vergangenheit gelehrt.

In welcher Funktion sehen Sie sich selbst bei diesem Neustart?
Freese: Ich werde mich aus dem Tagesgeschäft raushalten, aber der Verein braucht ja weiterhin eine Führungsperson, die auf die Dinge aufpasst. Das könnte ich mir auch weiterhin gut vorstellen. Der TuS Dornberg ist schließlich meine sportliche Heimat und irgendwie auch eine Lebensaufgabe.

Wenn Sie auf die letzten 15 Jahre mit dem Durchmarsch von der Kreisliga C bis in die Verbandsliga, dem Aufstieg in die NRW-Liga und jetzt dem zweimaligen Abstieg in Folge zurückblicken: Was bleibt da hängen?
Freese: Ganz, ganz viele Erfahrungen und tolle Erfolge wie den NRW-Liga-Aufstieg, Kreispokalsiege oder auch die Siege bei den Hallen-Stadtmeisterschaften. Es war eine schöne, lehrreiche und auch stressige Zeit, die nun vorbei ist. Den TuS Dornberg wird es in dieser Form nicht mehr geben.

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