Handball-Oberliga: Ärger nach 22:23-Pleite gegen LIT Handball NSM – Lütt sieht »Rot«  TuS 97 scheitert an sich selbst 

Bielefeld (WB). Am Ende überschlagen sich die Ereignisse: Die bis dahin ordentlich leitenden Schiedsrichter pfeifen Christian Hoff fälschlicherweise einen Schrittfehler ab, Torwart Jörg-Uwe Lütt meckert und sieht »Rot«, der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck verliert das OWL-Derby der Handball-Oberliga gegen LIT Handball NSM nach einem »Festival der Fahrkarten« mit 22:23 (10:13).

Von Arndt Wienböker
Nur 22 Tore: Leon Ludwigs und seine TuS 97-Kollegen fanden kaum ein Durchkommen gegen die LIT-Defensive.
Nur 22 Tore: Leon Ludwigs und seine TuS 97-Kollegen fanden kaum ein Durchkommen gegen die LIT-Defensive.

 So weit die Fakten. Dass die Jürmker am Ende verärgert und mit leeren Händen dastehen, haben sie sich aber selbst zuzuschreiben. »Die Quote im Angriff war unterirdisch«, raunzte Christian »Michel« Niehaus. Trainer Walter Schubert fand ähnlich deutliche Worte und sprach von einer »desolaten Angriffsleistung«. Als Beleg führte er die 22 erzielten Tore an, für die die Jürmker 61 Versuche benötigten. Das entspricht einer Trefferquote von gerade einmal 35 Prozent. »Kopflos« nannte Schubert das erfolglose Anrennen gegen die lauffreudige, aggressive LIT-Deckung. Dahinter hatten die Gäste in Keeper Björn Gerling einen starken Rückhalt, der insgesamt 21 Würfe entschärfte. »Er hat uns am Ende den Hintern gerettet«, freute sich LIT-Trainer Daniel Gerling, der seiner Mannschaft in den ersten 35 Minuten »die beste Saisonleistung in der Abwehr« bescheinigte.

 Bereits beim 3:6 (14.) sah sich Walter Schubert zu einer ersten Auszeit gezwungen. Mit der Hereinnahme von Leon Ludwigs und Benni Zöllner wollte er neuen Druck entfachen. Das klappte zunächst. Ludwigs traf in der 21. Minute zum 9:8 für den TuS 97. Es sollte die erste und einzige Führung sein, denn im weiteren Verlauf scheiterten die Jürmker ein ums andere Mal am LIT-Bollwerk oder warfen leichtfertig die Bälle in gegnerische Hände. Dass es zur Pause »nur« 10:13 stand, war Jöllenbecks Torwart-Dino Jörg-Uwe Lütt zu verdanken. Der hielt seine Mannschaft mit zehn Paraden in Halbzeit eins im Spiel.

 Nach Wiederanpfiff gerieten die Gastgeber gar mit 10:15 (34.) in Rückstand. Egal in welcher Besetzung, aus dem Rückraum kam einfach zu wenig. »Und dann haben wir noch viele Freistehende verballert«, schimpfte Schubert. Zumindest die Moral stimmte. Als Ludwigs, Niehaus und Zöllner aus einem 17:21 ein 20:21 (52.) gemacht hatten, war Jöllenbeck wieder dran. Lukas Heins traf zum 22:23 (59.), LIT vertändelte den Angriff. 34 Sekunden vor Schluss war der TuS 97 in Ballbesitz, Schubert nahm die Auszeit. Dann wackelte Hoff seinen Gegenspieler aus und hatte freie Bahn, doch das Schiedsrichter-Gespann Erkan Günay/Simon Krebs (Teutonia Riemke) pfiff »Hoffi« zurück – Ballbesitz LIT, David Weinholz hält, doch die Zeit für einen finalen TuS 97-Angriff reicht nicht mehr.

 »Das waren niemals Schritte. Wir haben das Spiel zwar selbst verdamelt, aber das macht es umso ärgerlicher«, nörgelte Hoff. Jörg-Uwe Lütt war derart sauer über den Pfiff, dass er sich zunächst eine Zweiminuten-Strafe einhandelte und sich nach Aussage der Referees dann noch zu einer Schiedsrichter-Beleidigung hinreißen ließ – Rot. Das wiederum hatte einen Sonderbericht zur Folge, der mit einer Spielsperre einhergehen würde. Dagegen legte Jöllenbeck Einspruch ein.

 »Es ist eine Frechheit, wenn die Schiedsrichter das Spiel entscheiden«, motzte der 50-jährige Lütt. »Das waren zwei katastrophale Entscheidungen, nachdem die Schiris 58 Minuten lang ordentlich gepfiffen hatten«, echauffierte sich Walter Schubert. Allerdings suchte der TuS 97-Trainer die Schuld zu allererst in den eigenen Reihen: »Wir hatten in der zweiten Halbzeit noch ausreichend Chancen, um das Spiel zu drehen, sind aber an unserer unterirdischen Quote im Angriff gescheitert.« Schuberts Schlusssatz trifft's ganz gut: »Eine selbst verursachte Niederlage mit einem blöden Ende.«

 TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck: Lütt, Weinholz – Grothaus (2), Zöllner (3), Heins (1), Niehaus (5/1), Hofemeier, Poppe, Hoff (3), Hippe (1), Ludwigs (2), Sokol (n.e.), Kiel (5), Schneider.

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