Marcus Biehl ist zurück beim TuS Eintracht – Überragende Naturerlebnisse beim Ultratrail  »Bewegung macht zufrieden« 

Bielefeld (WB). Marcus Biehl, einer der bekanntesten Ausdauersportler der Region und zweimaliger Hermannslaufsieger (2000/2004), ist wieder zurück in der Bielefelder Szene. Der 45-Jährige hat sich bei der LG Lage-Detmold verabschiedet und dem TuS Eintracht angeschlossen.

Von Jörg Manthey
Ultraläufer Marcus Biehl hat der LG Lage-Detmold den Rücken gekehrt und sich dem TuS Eintracht angeschlossen.
Ultraläufer Marcus Biehl hat der LG Lage-Detmold den Rücken gekehrt und sich dem TuS Eintracht angeschlossen.

 Für Biehl, Filialleiter vom Laufladen Endspurt in Detmold, ist dieser Wechsel »eine Herzensangelegenheit«, wie er sagt. Schließlich trifft er dort auf einen seiner besten Freunde. Mit Volkmar Rolfes läuft er jede Woche. Der frühere Brackweder, damals Schützling von Trainer Udo Brandt-Hüdepohl, hält immer noch gültige Rekorde. Etwa die schnellste Zeit eines Jugendlichen beim Hermannslauf (1988, 1:54 Std., Gesamt-15.). Mit 2:26 Stunden ist er schnellster Bielefelder Marathoni (2005, Minden). Brandt-Hüdepohl, der 1998 Marcus Biehls Talent erkannt hatte, wandelte dessen Bauchgefühl in strukturierte Trainingslehre um und orakelte seinen ersten Hermannslaufsieg.

 2014 war ein erfolgreiches Jahr für den ausdauernden Lipper. Marcus Biehl gewann zwei prestigeträchtige Klassiker: den 63,3 Kilometer langen Röntgenlauf (4:32:38 Std.) und die 51 Kilometer-Harzquerung (3:35,07 Std.). Beim Zugspitz-Ultratrail wurde der M 45-Mann als zweitbester Deutscher Gesamtvierter (11:47,21 Std.). »Das war herausragend.« Kein Wunder, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband Marcus Biehl in den erweiterten Kader für die Ultratrail-Weltmeisterschaft in Annecy/Frankreich nominiert hat. Am 30./31. Mai geht es rund um den Lac D’Annecy. Das anspruchsvolle Streckenprofil: 84 Kilometer, 5000 Höhenmeter.

 Als Kind hatte Marcus Biehl seinem Vater beim Hermannslauf als Traubenzuckerlieferant gedient. 1985 war er zum ersten Mal selbst auf dem Kammweg des Teutoburger Waldes unterwegs. In diesem Jahr spielt der »Hermann« für ihn keine Rolle. Als nächstes steht die Trans Gran Canaria (6. bis 8. März) an, zusammen mit Freundin Daniela. 83 Kilometer, 4700 Höhenmeter. Wieder ein neues Fleckchen Erde für ihn. »Ich möchte laufend die Welt erkunden.« Sein Sommerurlaub im Juli führt Biehl nach Südtirol und trägt den Titel: Ultra Skyrace. Der extremste Berglauf des Alpenraums. Die 121 Kilometer (7554 Höhenmeter) durch die Arntaler Alpen müssen binnen 40 Stunden bewältigt sein. Biehls Umorientierung hin zur boomenden Ultra-Nische ist nicht allein dem Alter geschuldet. »Diese Art des Laufens in der Natur ist faszinierend. Laufen und Natur gehören für mich zusammen. Da ist jeder Kilometer ein Erlebnis. Straßenläufe kotzen mich an.« Für den Körper ist's stets eine Grenzerfahrung. »Bei Kilometer 30 geht's dir ganz schlecht, bei Kilometer 50 wieder gut. Bei Kilometer 70 denkst du, du erreichst das Ziel nicht. Und wenn du das dann 90 Kilometern erreichst, bedauerst du es. Weil du am liebsten noch zehn Kilometer dranhängen möchtest.« Oben auf dem Berg habe man nicht nur eine gigantische Aussicht erarbeitet, sondern sei nur von gutgelaunten Menschen umgeben. »Bewegung schafft Zufriedenheit. Die haben alle ein Lächeln auf den Lippen. Das sind ganz tolle Momente.«

 Die erstmalige Teilnahme am Transrockies-Run in Colorado (2013), zusammen mit Freund Stefan Fromme, war so eines dieser gigantischen Naturerlebnisse. Sechs Tage von Buena Vista nach Beaver Creek. Einsame 193 Kilometer. 12000 Höhenmeter. Extreme Temperaturen in den Weiten der Rocky Mountains – und Gänsehaut pur. Marcus Biehl hat für sich mal drei sportliche Lebensziele laut ausgesprochen. Zwei davon hat er kristallisieren lassen: den Hermannslauf gewinnen und einen Ironman bestreiten (Roth, 2004)! Die Besteigung des Matterhorns steht noch aus. »Aber das kann ich auch mit 60 machen«, schmunzelt der leidenschaftliche Alpinist.

 Bewegung macht zufrieden: Getreu seiner eigenen Definition ist Marcus Biehl ein überaus zufriedener Mensch. Eine seiner Trainingsstätten, um Höhenmeter zu simulieren, ist die Himmelsleiter in Oerlinghausen: Treppen rauf und runter. 50 Mal! Am Stück! Wer nun denkt, der 45-Jährige lebt wie ein Asket, der irrt. »Nee«, gluckst er. »Ein gutes Glas Rotwein gehört für mich zum Leben, und gepflegt Essen zu gehen ist eines meiner Hobbys. Dafür muss Zeit sein.«

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