Der Zilke-Clan des ASV Atlas – Am Wochenende erstmalig Ringer-Westfalenmeisterschaften in der Rosenhöhe  »Ringen ist unsere Leidenschaft« 

Bielefeld (WB). »Obwohl Ringen eher etwas für Insider ist, möchten wir alle interessierten Bielefelder an diesem Wochenende einladen, unsere Sportart näher kennen zu lernen«, werben Atlas-Abteilungsleiter Zdenek Havlik sowie Co-Trainer Alexander Zilke für eine Sportart mit langer olympischer Tradition.

Von Peter Unger
Drei Brüder, eine Leidenschaft: Ringen. Von links: Jürgen Zilke (34), Alexander Zilke (33) und Alex Zilke (30) vom ASV Atlas.
Drei Brüder, eine Leidenschaft: Ringen. Von links: Jürgen Zilke (34), Alexander Zilke (33) und Alex Zilke (30) vom ASV Atlas.

 Ringen gehörte nicht nur von Anfang an zum Programm der Spiele der Neuzeit. Bereits bei den Olympischen Spielen der Antike traten Ringer gegeneinander an. Nachdem das IOC im September 2013 den Verbleib des Wackelkandidaten im Programm der Sommerspiele beschlossen hat, erlebt die Sportart ein Comeback. Davon profitiert auch der traditionsreiche ASV Atlas Bielefeld (270 Mitglieder), der am Samstag und Sonntag erstmalig die Westfalenmeisterschaften in der Sporthalle Rosenhöhe II in Brackwede veranstaltet; passend kurz vor seinem 120-jährigen Bestehen Anfang März.

 Sportlich hat sich der ASV Atlas nach dem Zusammenschluss zur SG Sende/Bielefeld wieder gefangen. Anfang Dezember 2014 beendete die Kampfgemeinschaft aus Schwarz-Weiß Sende und ASV Atlas als Aufsteiger die Saison mit einem 20:16 gegen den RV 1997 Kelmis. Mit diesem Abschluss-Erfolg belegten die Ringer Rang fünf in der Landesliga. Die zunächst aus der Not geborene Startgemeinschaft hat so den Klassenverbleib geschafft und wird auch in der neuen Saison in der Landesliga antreten. Zu den Stützen auf und neben der Matte zählen Abteilungsleiter Zdenek Havlik sowie die Brüder Alexander und Alex Zilke, die zum Kern des Teams gehören. Jürgen Zilke, der älteste Bruder des Zilke-Ringer-Trios, fungiert als Schiedsrichter.

 Alexander Zilke (33) ist ein Spätzünder, kam erst mit 14 Jahren zum Ringen. Er tritt sowohl im Halbschwer (bis 98 kg) als auch im Schwergewicht (bis 130 kg) an. Schnell stand für ihn fest: »Das ist meine Sportart.« Bis auf leichte Verstauchungen und ein paar blaue Flecken war für ihn entscheidend, dass die Verletzungsgefahr im Vergleich zu anderen Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen oder Karatesport relativ gering ist. Alexander Zilke weiß, wovon er spricht, denn er hat die genannten Sportarten zuvor selber betrieben. Der Co-Trainer, zugleich 2. Vorsitzender des ASV Atlas, vergleicht Ringen gerne mit dem Raufen auf dem Schulhof. Mit dem Unterschied, dass das Ringen »etwas härter« ist. Im Gegensatz zur Rauferei auf dem Schulhof ist Ringen allerdings eine faire Sportart mit festen Regeln; samt Begrüßung und Verabschiedung des Kampfrichters und des Gegners.

 Seit 17 Jahren findet der selbstständige Landschaftsgärtner im Ringen einen Ausgleich für seinen körperlich anstrengenden Beruf. Entweder im Freistil, bei dem der ganze Körper als Angriffsfläche dient, oder im griechisch-römischen Stil, bei dem nur Griffe oberhalb der Gürtellinie erlaubt sind. »Die Auswahl an Techniken ist riesig. Jeder Ringer beherrscht neben den Grundtechniken ein paar weitere, spezielle Techniken.« Hauptsächlich kommen Würfe, Rollen, Beinangriffe und Hebel zum Einsatz. In der Abstimmung des richtigen Zeitpunktes, »der schnellen, koordinierten und kraftvollen Durchführung einer Technik liegt die Kunst des Ringens.«

 Darüber hinaus schätzt Alexander Zilke am Ringen, dass er durch die sportliche Betätigung einen »freien Kopf« bekommt. Allein durch das körperliche Training tankt er Energie für den nächsten Tag. Dementsprechend lautet sein Credo: »Solange ich Sport mache, bleibe ich nicht nur körperlich, sondern auch geistig gesund.« Alexander Zilke ringt nicht nur selber, sondern unterstützt auch Bruder Alex regelmäßig beim Training. Beide achten darauf, dass die Übungsabende mit vielfältigen Aufwärm- und Technikübungen in geordneten Bahnen ablaufen.

 Ringen ist generell eine körperlich anstrengende Kraftsportart, bei der es einem schwerfällt, sich immer wieder neu zu motivieren. Deshalb ist für Alexander Zilke ganz entscheidend, dass er als Trainer den Nachwuchs ständig anspornt, »weiterzumachen, immer wieder aufzustehen und nicht aufzugeben.« Das gilt auch für ihn selber: Noch ist sein Traum, einmal als NRW-Landesmeister die Matte zu verlassen, nicht ausgeträumt. 2003, 2005 und 2007 wurde er jeweils »Vize«. Immerhin wurde er 2010 Westfalenmeister, ein sportlicher Erfolg, den er vor heimischer Kulisse gerne wiederholen möchte.

 Da ist ihm sein drei Jahre jüngerer Bruder Alex um einiges voraus: Der konnte seine sportliche Karriere bereits mit drei Landesmeister-Titeln krönen. Der Reiz des Ringens besteht für Alex Zilke darin, dass man sich als Einzelsportler durchsetzen muss. »Ich mag einfach diesen Kampf Mann gegen Mann. Ich kann mich hinter niemandem verstecken, bekomme keine Hilfe von anderen. Ich muss alleine gegen den anderen kämpfen. Am Anfang ist es am schwierigsten überhaupt auf die Matte zu gehen. Es kostet viel Überwindung, sich einem Gegner zu stellen«, sagt das Schwergewicht. Ringen ist für ihn zwar ein Kampfsport, aber »eher sanfter und weicher« als andere. »Man kriegt zwar nicht die Faust unmittelbar ins Gesicht, aber es ist dennoch eine Kampfsportart.«

 Bevor Alex Zilke über seinen Bruder zum Ringen kam, hat er ein Jahr geboxt. Ehe sich dann im Ringen mit 16, 17 Jahren erste kleinere Erfolge einstellten, hatte er einige Rückschläge zu verkraften. Mit 20 schaffte es Alex Zilke, sich als NRW-Vize für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Der große Durchbruch ließ auf sich warten. »Letztlich kam der sportliche Erfolg erst relativ spät. Aber ich habe nie aufgegeben, sondern immer weitergemacht. Und mit den Jahren wurde ich immer besser. In 2013 und in 2014 bin ich sogar in zwei aufeinander folgenden Jahren NRW-Meister geworden«, erzählt der Maschinenbau-Student.

 Jürgen, der älteste des Zilke-Clans, ist seit kurzem als Kampfrichter für den ASV Atlas unterwegs. Den 34-jährigen reizt am Ringen »die ganze Gemeinschaft«, der familiäre Zusammenhalt – vom sechsjährigen Anfänger bis zum 66-jährigen Altmeister, der immer noch regelmäßig für den ASV auf die Matte geht. Sportlich schätzt er beim Ringen die »Fairness auf höchstem Niveau«.

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