Teambetreuerin Martha Stockbrügger ist seit zehn Jahren im Dauereinsatz – »Arminia ist meine Ersatzfamilie«  »Mutter Teresa« wäscht auch Köpfe 

Bielefeld (WB).An diesem Sonntag feiert jemand, der beim DSC Arminia nie im Rampenlicht steht, aber unermüdlich für den Verein im Einsatz ist, ein kleines Jubiläum. Martha Stockbrügger ist seit zehn Jahren für Arminias Nachwuchs als Teambetreuerin und »Mutter Teresa« im Einsatz.

Von Arndt Wienböker
Martha Stockbrügger verliert nie den Durchblick. Tonnenweise Klamotten müssen täglich am Trainingsgelände an der Friedrich-Hagemann-Straße gewaschen werden. Die Teambetreuerin von Arminias U23 hat alles im Griff.
Martha Stockbrügger verliert nie den Durchblick. Tonnenweise Klamotten müssen täglich am Trainingsgelände an der Friedrich-Hagemann-Straße gewaschen werden. Die Teambetreuerin von Arminias U23 hat alles im Griff. Foto: Thomas F. Starke

 »Arminia ist für mich zu einer Ersatzfamilie geworden. Der Klub ist mein Leben«, sagt die 48-Jährige, die Tag für Tag von morgens bis spätabends im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) an der Friedrich-Hagemann-Straße ihre Pflichten und noch viel mehr erfüllt. »Ich bin häufig die Erste, die kommt, und die Letzte, die geht. In Stunden kann man das nicht zusammenzählen.«

 Tonnenweise Klamotten müssen täglich gewaschen werden – egal ob für Arminias U23, U19 oder U17. Dabei arbeitet Martha Stockbrügger Hand in Hand mit Rainer Schonz, Zeugwart der Profimannschaft. »Mit Schonzi klappt das super«, verrät sie. Hinzu kommen die Spiele am Wochenende. Seit einem Jahrzehnt begleitet sie Arminias U23 auf Schritt und Tritt.

 Sie hat im »Tagesgeschäft Fußball« viele Talente wie zum Beispiel Stefan Ortega, Robert Tesche oder Patrick Mainka kommen und gehen gesehen. Mit der heutigen »Facebook-Generation« legt sich die »gute Seele« des Vereins aber auch schon mal an: »Ich wasche nicht nur die Wäsche, sondern auch die Köpfe der Jungs. Es gibt welche, die sind gerade aus der A-Jugend gekommen und meinen schon, sie wären die Stars von morgen. Die hole ich dann auf den Boden zurück. Ich habe meine Meinung und die vertrete ich auch.« Das Recht nimmt sich die Junggesellin heraus: »Ich musste schon mit 18 Jahren auf eigenen Füßen stehen und weiß, wovon ich rede.«

 Martha Stockbrügger versteht sich auch als Seelsorgerin und »Sozialarbeiterin« für die Jung-Arminen. »Die Jungs kommen auch mit Problemen zu mir, die sie mit dem Trainer nicht besprechen. Das bleibt aber privat.« Echte Typen wie in der diesjährigen Oberliga-Meistermannschaft, die am Ende nicht aufsteigen durfte, gibt es nach Meinung der 48-Jährigen immer weniger.

 Ihre Liebe zum DSC wird dadurch aber in keinster Weise getrübt. »Der Verein nimmt einen zwar voll und ganz in Anspruch, aber als waschechte Bielefelderin bringe ich gerne Opfer. Arminia mit all seinen Facetten und seiner Vergangenheit ist mir tausendmal lieber als ein Klischee-Verein wie zum Beispiel Hoffenheim. Der Verein zeigt auch den Charakter einer Stadt.«

 Martha Stockbrügger kam am 21. Dezember 2004 aus der Arbeitslosigkeit zum DSC. »Über eine Fördermaßnahme des Arbeitsamtes«, wie sie erklärt. Unter dem damaligen U23-Trainer Maik Walpurgis, der professionellere Strukturen schaffen wollte, erledigte sie ihre ersten Aufgaben, nachdem sie »vorher schon mal als Fan beim Training ausgeholfen hatte«.

 Eines der persönlichen Highlights von »Mutter Teresa«, wie sie sich selbst bezeichnet, war der Regionalliga-Aufstieg der Amateure im Jahr 2010. Das Kurioseste, was sie erlebt hat, war eine Auswärtsfahrt nach Herne, auf der die Trikots in Bielefeld geblieben sind. »Das ist mir ein einziges Mal passiert und wird mich vermutlich mein Leben lang begleiten.«

 Dass die Profis in dieser Saison die Rückkehr in die 2. Liga schaffen, davon ist Martha Stockbrügger felsenfest überzeugt: »Der Aufstieg muss klappen, denn Arminia ist immer noch ein verkappter Erstligist.«

 Zu Weihnachten wünscht sich die Ummelnerin vor allem Gesundheit. »Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Alles andere wäre Jammern auf hohem Niveau«, sagt sie voller Überzeugung. Und das soll noch lange so bleiben: »Arminia war schon immer eine Herzensangelegenheit für mich. Ich hoffe, dass ich hier in Rente gehen kann.«

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