Nach Nürnbergs Derbypleite kommt der 48-jährige Trainer mit dem Club auf die Alm Köllner: »Wir haben keinen Anlass für Wut im Bauch«

Bielefeld/Nürnberg (WB). Vor fast auf den Tag genau einem Jahr (7. März 2017) hat Michael Köllner das Traineramt beim 1. FC Nürnberg übernommen. Der 48-Jährige, der vorher die Club-Reserve trainierte und das Nachwuchsleistungszentrum leitete, formte den Club in der laufenden Zweitligasaison zu einem Aufstiegskandidaten. Vor dem Spiel bei Arminia Bielefeld (9. März, 18.30 Uhr) beantwortete der Coach des Tabellenzweiten die Fragen von Dirk Schuster.

Michael Köllner (48) ist mit dem Club auf dem Weg in die Bundesliga.
Michael Köllner (48) ist mit dem Club auf dem Weg in die Bundesliga. Foto: Starke

Mit einer Derbyniederlage im Gepäck geht es für den 1. FC Nürnberg nun nach Bielefeld. Kommt der Club nach dem 0:2 gegen Greuther Fürth mit Wut im Bauch auf die Alm, Herr Köllner?

Michael Köllner: Nein, denn wir haben keinen Anlass für Wut im Bauch. Jeder, der weiß, mit welchen Zielen wir in die Saison gegangen sind, und nun die Tabelle sieht, wird nicht so traurig darüber sein, wo wir jetzt stehen, auch wenn wir das Derby verloren haben. Wir betrachten die Dinge immer im Gesamtkontext und freuen uns nun auf die nächste Aufgabe, die uns auf der Alm erwartet.

Im Hinspiel kassierte Ihr Team eine etwas unglückliche 1:2-Niederlage. Was muss Nürnberg besser machen als im September, um diesmal die Oberhand zu behalten?

Köllner: Wir müssen grundsätzlich ein Tor mehr schießen als unser Gegner. Im Hinspiel war dies das Einzige, was uns am Ende gefehlt hat. Vor dem 0:2 im Derby waren wir elf Spiele in Folge ungeschlagen. Daran möchten wir anknüpfen.

Ist die Aussicht auf die – zumindest vorübergehende – Eroberung der Tabellenspitze für Ihr Team eine Zusatzmotivation?

Köllner: Nein. Wir halten es die gesamte Saison bereits so, dass wir uns ausschließlich darauf konzentrieren, unsere Aufgaben auf dem Platz zu erledigen. Das gilt auch vor dem Auftritt in Bielefeld.

Wie beurteilen Sie die Saison Ihres Gegners Arminia, auf welche Spieler müssen Sie ein besonderes Augenmerk werfen?

Köllner: Grundsätzlich spielt die Arminia eine starke Saison. Bielefeld glänzt als ein geschlossen auftretendes, kompaktes Team und steht nicht zu unrecht auf Rang sieben. Daher wäre es auch ungerecht, hier einige Spieler besonders herauszuheben.   

Wie schwer wiegt der Ausfall Ihres schwedischen Torjägers Mikael Ishak (12 Saisontreffer)?

Köllner: Es wäre fatal, wenn wir als Mannschaft von einer einzigen Person abhängig wären. Im Verlauf einer Saison kann es durch Verletzungen und Sperren immer wieder dazu kommen, dass Spieler nicht einsatzbereit sind. In erster Linie tut mir das für die Jungs leid, die fehlen. Doch bereits nach der Verletzung von Sebastian Kerk haben wir bewiesen, dass wir Ausfälle als Kollektiv auffangen können. Ausfälle sind zudem auch immer die Chance für andere Spieler.

Wann rechnen Sie nach seinem Innenbandriss mit Ishaks Rückkehr?

Köllner: Der Heilungsverlauf bei Mikael ist bislang super, aber wir müssen abwarten, wie die nächsten Wochen verlaufen. Wir im Trainer- und Betreuerstab tun alles dafür, dass er so schnell wie möglich wieder zum Team stoßen kann. In erster Linie sind es unsere erstklassigen Physiotherapeuten, die Mikael im Rehatraining optimal an das Mannschaftstraining heranführen. Und er selbst arbeitet ebenfalls hart für sein Comeback. Es macht jedoch keinen Sinn, ihm eine Deadline aufzuerlegen. Erst wenn er wirklich zu 100 Prozent fit ist, wird er zurückkehren.

Nürnberg teilt sich mit Bielefeld den inoffiziellen Rekordaufsteiger-Titel (je sieben Mal). Wie lange noch?

Köllner: Diese Frage kann ich nicht seriös beantworten. Wir leben im Hier und Jetzt und können nur die Gegenwart beeinflussen. Wer wann hochgeht, wird die Zukunft zeigen. 

Welche Teams werden am Saisonende aufsteigen?

Köllner: Aktuell kämpfen viele Mannschaften noch um den Aufstieg. Wie eng die Teams in der 2. Liga beisammen sind, sieht man unter anderem daran, dass den Relegationsplatz um den Aufstieg nur elf Zähler von dem um den Abstieg trennen. Es gibt keine einfachen Spiele, das konnte man in der gesamten bisherigen Saison merken. Somit wird es ein hartes Rennen bis zum Saisonende. Erst dann wird man wissen, wer auf den Plätzen eins und zwei steht – und wer in die Relegation darf.

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