Die Arminen wissen, welche Chancen ihnen das 2:0 über Darmstadt eröffnet Saibene: »Wir sind ja nicht dumm«

Bielefeld (WB). Vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter? Nach dem 2:0-Erfolg über Darmstadt beträgt Arminias Vorsprung auf Relegationsrang 16 zehn, der Rückstand auf Relegationsrang drei aber nur noch drei Punkte. »Die 40 Zähler sind das erste Ziel. Aber wir sind ja nicht dumm«, sagte Trainer Jeff Saibene: »Wir können auch die Tabelle lesen.«

Von Dirk Schuster
Die Entscheidung: Uneigennützig bedient Fabian Klos (rechts) vor dem 2:0 Konstantin Kerschbaumer (hinten).
Die Entscheidung: Uneigennützig bedient Fabian Klos (rechts) vor dem 2:0 Konstantin Kerschbaumer (hinten). Foto: Thomas F. Starke

Dass in Bielefeld deswegen jetzt die große Euphorie um den DSC ausbrechen wird, ist eher nicht zu erwarten. Aber wenn doch, dann »wäre es mir lieber so, als wenn die Leute wieder Angst haben müssten«, sagte Saibene. Am Freitag hat Arminia wieder ein Heimspiel. »Ich hoffe, dass das Stadion voll sein wird gegen Dresden. Das hätte die Mannschaft sich verdient.« Der Luxemburger nennt die Situation »eine zum Genießen. 34 Punkte, 5. Platz – ich denke, das ist für Arminia unglaublich gut«. Aber »wir wollen uns keinen Druck machen. Wenn wir 40 Punkte haben, schauen wir, wie viele Spiele noch übrig bleiben.«

Erstmal die 40 vollmachen

Die Spieler äußerten sich schablonenhaft. Patrick Weihrauch, der die Arminen nach

einem Bilderbuchkonter auf Vorarbeit von Andreas Voglsammer in Führung brachte (33.), meinte: »Uns geht’s darum, erstmal die 40 voll zu machen. Wir werden dann nicht aufhören, Fußball zu spielen, sondern werden auch dann unsere Spiele gewinnen wollen. Und dann wird man sehen, wo es hingeht.«

Nach Weihrauchs Treffer kochten auf den Trainerbänken die Emotionen hoch. Mit der Folge, dass Schiri Florian Badstübner DSC-Assistenzcoach Sebastian Hille auf die Tribüne schickte. Ein Missverständnis, wie Saibene später erklärte: »Hille hat gar nichts gemacht. Es war Rumpi.« Saibene sagte, er habe in den vorangegangenen Tagen gespürt, dass das Relegationsdrama von 2014 mit dem daraus resultierenden Abstieg in die 3. Liga bei einigen noch sehr präsent sei. »Deshalb war der Sieg so extrem wichtig für sie, um das Ganze ein bisschen besser zu verarbeiten.« Co-Trainer Carsten Rump sei beim Tor einfach »ein bisschen ausgeflippt. Ich musste ihn wieder einfangen.«

Ehe Konstantin Kerschbaumer am Samstag sich, das Team und die Arminia-Anhänger unter den 15.236 Zuschauern in der Schüco-Arena erlöste, dauerte es bis in die Nachspielzeit. Die Bielefelder hatten zuvor eine Reihe aussichtsreicher Konter schlampig gespielt. Diesen letzten gelungenen voll­endete der Österreicher dann zum 2:0-Endstand (90.+3): »Ich muss aber Fabian Klos in den Vordergrund stellen. Er hat das überragend vorbereitet, ich brauchte den Ball nur noch reinzuschieben.«

Klos oder Putaro?

Zwar wartet der DSC in diesem Jahr weiter auf ein Stürmertor. Doch wenn die Angreifer ihren Mitspielern derart maßgerecht die Bälle servieren, ist das genauso viel wert wie ein eigener Treffer. »Letzte Woche habe ich Fabian kritisiert, diesmal hat er das zweite Tor extrem gut vorbereitet. Das erwarte ich von ihm«, betonte Saibene, der nun entscheiden muss, ob er gegen Dresden Klos gegenüber dem erneut unauffälligen Leandro Putaro mal wieder den Vorzug geben wird.

Defensiv bestätigten die Arminen ihre Leistungen der Vorwochen. Saibene lobte das Team für dessen Konstanz: »Wir haben in allen fünf Partien in diesem Jahr auf einem guten Level gespielt.«

Darmstadts Coach Dirk Schuster ärgerte sich über eine vermeintliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters: »Vor dem 0:1 lag ein klares Foul vor. So war das Tor dann nicht mehr zu verteidigen.« Saibene mochte nicht widersprechen, meinte aber auch: »Ich erinnere mich an das Hinspiel, als derselbe Schiedsrichter uns im ersten Durchgang einen Vorteil abgepfiffen hat. Das gleicht sich immer wieder aus.« Arminia unterlag damals mit 3:4. Nach dem 2:0 im Rückspiel sieht nun alles ganz anders aus, weshalb Kerschbaumer meinte: »Erstmal wollen wir die 40 knacken. Träumen kann man immer. Natürlich strebt man nach dem Höchsten.«

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