19. Mai 2014: Das Relegationsdrama gegen Darmstadt bleibt unvergessen - mit Video Als Fußball-Bielefeld unter Schock stand

Bielefeld (WB). Es ist Montag, der 19. Mai 2014, 23.02 Uhr, als sich eine gespenstische Stille über die Schüco-Arena legt. Trainer, Spieler, Verantwortliche und Fans von Arminia Bielefeld können nicht fassen, was sie gerade erlebt haben. Ganz still ist es freilich nicht im mit 26.200 Zuschauern ausverkauften Stadion.

Von Jens Brinkmeier
Die Fans sind fassungslos. Der nicht mehr für möglich gehaltene Abstieg hat bei den Arminia-Anhängern tiefe Spuren hinterlassen.
Die Fans sind fassungslos. Der nicht mehr für möglich gehaltene Abstieg hat bei den Arminia-Anhängern tiefe Spuren hinterlassen. Foto: Thomas F. Starke

Der SV Darmstadt 98 hat 4:2 nach Verlängerung auf der Alm gewonnen und feiert den kaum noch für möglich gehaltenen Aufstieg in die 2. Liga, während der DSC den Schock des Abstiegs in Liga drei verarbeiten muss.

»Das ist Fußball auf seine brutalste Art«, sagt Arminias Präsident Hans-Jürgen Laufer. Der damalige Geschäftsführer Marcus Uhlig erklärt: »Wenn man sich in der Nachspielzeit der Verlängerung das entscheidende 2:4 fängt, ist das wie ein Genickschuss.« Er stehe »unter Schock, der Abstieg ist ein brutaler Tiefschlag für alle«.

Diese Relegation ist in die Geschichte eingegangen. Arminia hat sich am letzten Spieltag der Zweitligasaison durch ein 3:2 bei Dynamo Dresden auf Platz 16 geschoben. Darmstadt, Tabellendritter der 3. Liga, ist dann der Gegner in zwei Duellen. Alles läuft zunächst nach Wunsch für die Mannschaft von Trainer Norbert Meier. Das Hinspiel in Hessen gewinnt der DSC 3:1, der Klassenerhalt scheint nur noch Formsache zu sein.

Gehemmte Arminen

Die Fans bereiten für das Rückspiel die bis dato größte Choreografie der Vereinsgeschichte vor, die Stimmung ist prächtig.  Doch von der ersten Sekunde an ist Darmstadt besser im Spiel, von Minute zu Minute glaubt das Team von Trainer Dirk Schuster mehr an die Sensation. Die Arminen sind gehemmt. Dominik Stroh-Engel (23. Minute) und Hanno Behrens (51.) bringen die Gäste mit 2:0 in Führung. Felix Burmeister verkürzt in der 53. Minute für den DSC. Doch Jerome Gondorf schießt sein Team elf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit in die Verlängerung.

Hier nimmt das Drama epische Züge an. Kacper Przybylko trifft zum 2:3 aus Bielefelder Sicht, der Klassenerhalt wäre in der 110. Minute doch wieder unter Dach und Fach. Als die Uhr immer weiter herunter tickt und die Arminen sich auf der letzten Rille ins Ziel zu schleppen scheinen, passiert es: Der eingewechselte Elton da Costa trifft in der 122. Minute aus 20 Metern ins DSC-Tor, Felix Burmeister fälscht den Ball unhaltbar ab. Das Bielefelder Ende? Noch nicht. Ein letzter Freistoß segelt in den Darmstädter Strafraum, auch Torwart Stefan Ortega Moreno ist mit vorne. Arne Feick köpft, der Ball landet am Pfosten und fällt dann Sebastian Hille vor die Füße. Doch dessen Schuss wird abgeblockt. Das Bielefelder Ende.

Hille: »Schlimmste Niederlage meiner Karriere«

Die DSC-Profis gehen weinend zu Boden, die Hessen feiern mit ihren 2200 mitgereisten Fans den Aufstieg. »Das war die schlimmste Niederlage meiner Karriere«, sagt Hille später über diesen Abend im Mai 2014. Die letzte Szene mit der Doppelchance habe er »noch Wochen und Monate danach immer wieder vor Augen gehabt«, so Hille, der inzwischen zum Trainerstab bei Arminia gehört.

Für Arminia bedeutet der Abstieg damals mal wieder einen immensen finanziellen und sportlichen Kraftakt. Dank der Hilfe verschiedener Gönner erhält der DSC die Drittligazulassung. Norbert Meier bleibt Trainer und stellt mit Sportchef Samir Arabi eine Mannschaft zusammen, die ein Jahr später den direkten Wiederaufstieg schafft. Seitdem ist Arminia Zweitligist.

Darmstadt hält sich zwei Jahre in der 1. Bundesliga, ehe im vorigen Sommer der Abstieg in Liga zwei folgt. Morgen kommt es zum zweiten Wiedersehen. Das erste Duell dieser Saison gewinnen die Hessen am 17. September am heimischen Böllenfalltor mit 4:3.

Kommentare

Deshalb morgen umso mehr kämpfen!

Tja, das war damals schon sehr hart!
Sogar die Bild schrieb am nächsten Tag „War das das spannendste Spiel des Jahres“?
Vermutlich sogar Ja!
Und am darauffolgenden Tag, als ihre Tränen wieder getrocknet und ihre Schminke nicht mehr zerlaufen war, brachten sie sogar noch einen Artikel über die sympathische, hübsche Studentin in der Mitte des Bildes!

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