Im Gästeblock brennen zahlreiche bengalische Fackeln – auch beim Fanmarsch wird Pyrotechnik verwendet Pyrotechnik: Bielefelder fallen negativ auf

Bielefeld/Bochum (WB). Vor und während des Zweitligaspiels des DSC Arminia Bielefeld in Bochum kam es zu Ausschreitungen der Gästefans. Die Polizei Bochum zeigte drei Bielefelder wegen Körperverletzung an und resümierte einen »ungewöhnlich hohen Pyrotechnik-Einsatz.«

Von Hendrik Fahrenwald
Im Gästeblock zündeten Arminia-Anhänger bengalische Fackeln.
Im Gästeblock zündeten Arminia-Anhänger bengalische Fackeln. Foto: Thomas F. Starke

Vor der bengalischen Fackel in der ersten Halbzeit und den 16 bengalischen Fackeln, die in der zweiten Hälfte im Gästeblock E2 abbrannten, habe der Bielefelder Fanmarsch laut dem Bochumer Polizei-Sprecher Volker Schütte für »ganz große Sorgen« bei der Polizei gesorgt. Etwa 600 Personen sollen an dem etwa zwei Kilometer langen Marsch vom Hauptbahnhof Richtung Stadion teilgenommen haben.

»Dabei ist fast durchgängig Pyrotechnik gezündet worden, der Himmel war rot erleuchtet«, sagt Schütte. Die Bielefelder hätten dabei Pyrotechnik wie bengalische Feuer, andere Leuchtfeuer, Rauchtöpfe oder sogenannte Polen-Böller gezündet. Teilweise seien die Personen auf dem Marsch vermummt gewesen. Pyrotechnik sei auch auf Polizisten geworfen worden.

Polizisten erlitten Knalltrauma

Zwei Polizisten hätten bei der Explosion von Polen-Böllern ein Knalltrauma erlitten, seien aber »dienstfähig« geblieben. Während des Marsches habe ein stark alkoholisierter Bielefelder mit seiner Faust gegen den Helm eines Polizisten geschlagen. Als die Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen wurde, leistete der Mann Widerstand.

Zudem habe die Polizei zwei weitere Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen. Hinzugekommen seien sieben Anzeigen wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Ein Bielefelder sei vor dem Spiel in Gewahrsam genommen und erst nach der Partie entlassen worden.

Bundespolizei entschärft Pyrotechnik

Die etwa drei Kilo nicht gezündete Pyrotechnik habe das Entschärfer-Team der Bundespolizei entsorgt. »Sie sind grundsätzlich bei Risikospielen dabei und sorgen für den Transport und die Entsorgung der Pyrotechnik«, sagt Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei Dortmund. Stationiert sind die Entschärfer im Flughafen Düsseldorf. 150 Stück Pyrotechnik seien in speziellen Behältnissen transportiert und später entsorgt worden. Für bengalischen Feuer, die nicht mit Wasser gelöscht oder Sand erstickt werden können, haben die Entschärfer chemische Mittel dabei, um das Weiterentzünden zu verhindern.

Pyrotechnik vermutlich zuvor deponiert

Aufgrund des großen Einsatzes von Pyrotechnik vor dem Spiel geht die Polizei Bochum davon aus, dass die Bielefelder die Pyrotechnik schon im Vorfeld des Marsches auf der Strecke deponiert haben müssen. »Das war sehr organisiert. Sie haben die Pyrotechnik nicht an ihrem Körper getragen«, sagt Schütte.

Unter den 2100 Gästefans seien laut Polizei 150 Fans der Kategorie B, die gewaltbereit oder gewaltgeneigt seien, sowie 20 Fans der Kategorie C, die gewaltsuchend seien, nach Bochum gereist.

Etwa drei Kilo nicht gezündete Pyrotechnik seien von der Polizei noch aufgefunden worden und von Entschärfern der Bundespolizei entsorgt worden. In Sichtweite zum Stadion habe die Polizei den Marsch gestoppt. Dadurch sollte unter anderem ein Kassensturm vermieden werden. Aufgrund von strengen Sicherheitskontrollen seien 200 bis 300 Bielefelder erst nach dem Anpfiff ins Stadion gekommen.

Die Polizei sichtet nun das Videomaterial aus dem Stadion. »Dort können wir die Personen, die Pyrotechnik gezündet haben, gut erkennen und diese identifizieren«, sagt Schütte.

Zuletzt fielen Bielefelder Anhänger im Oktober beim Spiel in Kiel wegen unsportlichen Verhaltens auf. Der DSC musste daraufhin eine Geldstrafe von 15.000 Euro bezahlen.

Kommentare

So, jetzt haben sich wieder alle aufgeregt! Versteht es doch endlich! Wir leben in einem Rechtsstaat und der stößt manchmal ein seine Grenzen! Vorschläge wie: Man sollte einfach den ganzen Block räumen sind eben kein rechtsstaatliches Mittel! Solche Äußerungen sind einfach nur Stammtischparolen, die niemandem helfen.
Anscheinend kann die Polizei und der Ordnungsdienst solche Vorfälle nicht verhindern. Also sollte man den Dialog suchen, um größeren Schaden abzuwenden. Das heißt nicht, dass Pyrotechnik legalisiert werden sollte, aber die Konfrontationstaktik von Polizei und Verbänden hat ja nicht wirklich zu einer Entspannung der Situation geführt. Das Gegenteil ist der Fall....

Schluss mit Lustig

Ich persönlich halte von den Deeskalationsstrategien, die in der Vergangenheit immer wieder gerne bemüht wurden, nichts. Wir haben es hier nicht mit Fußballfans, sondern mit Straftätern zu tun, die Leib und Leben anderer bedenkenlos gefährden. Insofern nichts Neues. Was bitteschön haben solche Elemente in deutschen Fußballstadien zu suchen ? Nichts ! Warum wird deren Fehlverhalten lediglich dokumentiert, um anschließend mühsam eine Täteridentifizierung vorzunehmen ? Warum schickt man nicht eine Hundertschaft in den Block und räumt diesen, ohne wenn und aber ? Warum äußert sich ein Vertreter Arminias undifferenziert zu den verwendeten pyrotechnischen Gegenständen ? Nicht nur Knallkörper sind gefährlich, sondern vorallem Pyrotechnik. Während des Abbrands entwickelt ein bengalisches Feuer eine Temperatur zwischen 1600 bis 2500 Grad Celsius und kann sogar unter Wasser weiterbrennen. Deshalb ist es mit selbigem auch nicht zu löschen. In den Händen betrunkener Chaoten eine eminente Gefahr. Die einzige Sprache, die manche Menschen ausschließlich verstehen, ist Null Toleranz. Wie lange soll es noch dauern, bis das endlich alle begriffen haben ?

Vollidioten und Scwachmaten

...möchte meinem Vorredner zu seinem treffenden Kommentar nur noch die Frage der Kontrolle in den Stadien aufwerfen! Wie bekommen diese Schwachmaten derartige Mengen Pyro in die Stadien? Da greift weder die Personenkontrolle beim Einlass, noch die Kontrolle des Areals vor den Spielen. Wenn schon gewisse Spiele als Risikospiele im Vorfeld benannt werden, warum sind die Vereine und Behörden nicht in der Lage, derartige Dinge zu unterbinden. Einseitige und harte Strafen für diese Schwachmaten nützen wenig, wenn die Kontrollen im Vorfeld der Spiele nicht besser werden.

Vollidioten

Das einzig Gute an der Nachricht ist die mögliche Identifizierung der Vollidioten. Ich kann nur hoffen, dass die zu erwartenden Strafen durch den DFB an diese Fußballzerstörer weitergegeben werden. Dann bleibt denen in den nächsten Jahren wenig Geld für die Kauf von neuer Pyro. Wie oft muss man eigentlich den Kopf schütteln? Wenn einer von euch Selbstdarstellern dieses liest, dann schaltet mal wenigstens ganz kurz das Hirn ein: Niemand im Stadion will euch sehen! So, jetzt könnt ihr wieder ausschalten und euch mit euren Handyfilmchen ganz groß und wichtig vorkommen.

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