Arminias Jahreshauptversammlung: Wahl des Präsidiums – Bündnis nominiert Oetker-Manager Laufer: »Wir haben noch Pfeile im Köcher«

Bielefeld (WB). Erstmals nach der Beinahe-Pleite und der Millionenrettung durch das »Bündnis Ostwestfalen« wird Arminia Bielefeld die Vereinsmitglieder am Sonntag (11 Uhr, Business Club Schüco-Arena) bei der Jahreshauptversammlung mit den turbulenten Ereignissen der vergangenen Wochen konfrontieren.

Von Sebastian Bauer
Das DSC-Präsidium steht zur Wahl (von links): Bernard Kiezewski (Abteilungen),  Schatzmeister Prof. Dr. Hermann J. Richter und Präsident Hans-Jürgen Laufer.
Das DSC-Präsidium steht zur Wahl (von links): Bernard Kiezewski (Abteilungen), Schatzmeister Prof. Dr. Hermann J. Richter und Präsident Hans-Jürgen Laufer. Foto: Thomas F. Starke

Es ist ein Termin, der mit Bedacht gewählt worden ist. Die für den 11. Dezember geplante Versammlung hatte der DSC kurzfristig abgesagt. Heute weiß man: Der Fußball-Zweitligist stand damals kurz vor der Insolvenz. Eine Liquiditätslücke in Höhe von 4,6 Millionen Euro brachte den DSC an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.
Nun, Ende Januar, treten die Verantwortlichen in vergleichbar ruhigen Zeiten vor die Mitglieder. »Was hier in den vergangenen Wochen auf die Beine gestellt wurde, ist sensationell. Ich erwarte, dass die Mitglieder diesen Weg mitgehen werden«, sagt Vereinspräsident Hans-Jürgen Laufer.

Geplanter Schuldenschnitt hat die Sitution beruhigt

Nach Offenlegung der Zahlen wäre dies im Dezember mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Fall gewesen. Stattdessen hätten sich Laufer und Co. in Anbetracht der drohenden Pleite jeder Menge Kritik stellen müssen.
Der geplante Schuldenschnitt durch Land NRW, Stadt Bielefeld und weitere Gläubiger sowie die Millionen-Finanzspritze vom Unternehmenszusammenschluss »Bündnis Ostwestfalen« haben die Situation rund um den DSC beruhigt.
Um den Weg für die Hilfe durch das Bündnis zu ebnen, müssen die Mitglieder am Sonntag aber zunächst einer Kapitalerhöhung in der KGaA zustimmen. Nur so wird ermöglicht, dass die Unternehmen dem Verein neue liquide Mittel zuführen können, damit die Finanzsituation des Klubs nachhaltig verbessert werden kann.

»Wir verkaufen mit dem Stadion  nicht unser Herz«

Laufer schließt auch kritische Stimmen am Sonntag nicht aus. Insbesondere was den geplanten Verkauf des Stadions angeht. Der Erlös ist wichtiger Bestandteil und Bedingung des geplanten Schuldenabbaus.
»Es wird kritische Fragen geben, die wir auch alle ehrlich beantworten werden«, betont der Präsident und erklärt in Richtung der Kritiker: »Wir verkaufen mit dem Stadion nicht unser Herz. Mit dem Verkauf wäre der Verein auf einem Niveau, auf dem er noch nie gewesen ist.« Dieses Level könnte sich sogar noch erhöhen.
Wie das WESTFALEN-BLATT erfuhr, sollen weitere Firmen Interesse am Mitwirken im »Bündnis Ostwestfalen« bekundet haben. Parallel werben Arminias Verantwortliche weiter für eine Mitgliedschaft, um den Zusammenschluss und die damit verbundene finanzielle Hilfe für den Klub noch breiter aufzustellen.

Mathias Gerner als Interessenvertreter des Bündnisses

Als Interessenvertreter des Bündnisses soll künftig Mathias Gerner im Aufsichtsrat sitzen. Er ist Leiter der Hauptabteilungen Steuern und Finanzen beim Bielefelder Oetker-Konzern sowie Vorsitzender des Finanz- und Steuerausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen.
Bei einer Auftaktveranstaltung haben die im Bündnis vereinigten Unternehmen Gerner gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Letztendlich entscheiden die Mitglieder am Sonntag per Wahl, ob Gerner in den Wirtschaftsrat und damit in den Aufsichtsrat des Klubs einzieht.
Darüber hinaus sind keine weiteren Änderungen in den Gremien zu erwarten. Obwohl die Bündnis-Mitglieder viel Geld zur Verfügung stellen, erheben sie keinen Anspruch auf zusätzliche Gremiensitze. Darauf habe man sich mit den Partnern verständigt, heißt es aus Vereinskreisen.

Auch Präsidium steht zur Wahl


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Zwischenzeitlich hat Aufsichtsratsmitglied Hartmut Ostrowski dem Bündnis als Entgegenkommen sogar seinen Vorsitz des Kontrollgremiums angeboten. Aber auch dazu wird es nicht kommen. Dieser Zeitung sagte der ehemalige Bertelsmann-Chef: »Ich habe vor, Aufsichtsratsvorsitzender zu bleiben. Die ganze Entwicklung des Vereins erfreut mich sehr.« 
Zur Wahl steht auch das Präsidium um Hans-Jürgen Laufer. Da es keine Gegenkandidaten gibt, ist die Wahl von Laufer, Prof. Dr. Hermann J. Richter (Vizepräsident und Schatzmeister) und Bernard Kiezewski (Abteilungen) so gut wie sicher. Für Laufer (69) wäre es altersbedingt die letzte Amtszeit. Laut Satzung darf ein Präsident beim Antritt nicht älter als 70 sein.
Ans Aufhören hat der Unternehmer trotz der zuletzt prekären Situation übrigens nicht gedacht: »Ich habe nie gezweifelt, ob ich weitermachen möchte. Hätte ich gezweifelt, wäre ich nicht mit dem Herzen dabei. Aber ich bin mehr denn je mit dem Herzen bei der Sache.«
Laufer und seine Mitstreiter im Verein sehen sich bei der Konsolidierung von Arminia längst nicht am Ziel: »Wir haben noch einige Pfeile im Köcher, die wir nutzen wollen. Und ich möchte dabei helfen und noch einiges vollenden.

Foto: Grafik: Stephanie Bremer

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