Klub in fünf Jahren schuldenfrei? – Alm wird verkauft – DSC im Dezember fast insolvent Arminias Neustart

Bielefeld (WB). Haarscharf war es. So dramatisch wie lange nicht mehr in der an finanziellen Problemen und Skandalen nicht gerade armen Geschichte Arminia Bielefelds. Kurz vor Weihnachten konnte der Klub die Zahlungsunfähigkeit im letzten Moment abwenden und darf nur etwa einen Monat später sogar in eine äußerst vielversprechende Zukunft blicken.

Von Sebastian Bauer und Jens Brinkmeier
Arminias Führungskräfte gehen von deutlich entspannteren Zeiten beim Fußball-Zweitligisten aus: Sport-Geschäftsführer Samir Arabi, Präsident Hans-Jürgen Laufer und Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek (von links).
Arminias Führungskräfte gehen von deutlich entspannteren Zeiten beim Fußball-Zweitligisten aus: Sport-Geschäftsführer Samir Arabi, Präsident Hans-Jürgen Laufer und Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek (von links). Foto: Thomas F. Starke

Ein schnell erstelltes und mit breiter Unterstützung aus der ostwestfälischen Wirtschaft umgesetztes Sanierungskonzept (das WESTFALEN-BLATT berichtete) rettete den DSC vor vier Wochen vor dem Aus. Laut dieses Plans will der mit gut 22 Millionen Euro verschuldete Verein seine Schulden kurzfristig auf gut vier Millionen Euro senken. In spätestens fünf Jahren soll die Arminia-Gruppe (KGaA, Alm KG, e.V.) schuldenfrei sein.

Vertrauen zurückzahlen

»Man kann von einem Neustart sprechen, von einer bereinigten Situation. Aber es ist kein Moment, in dem wir feiern können oder die Sektkorken knallen. Nur durch die Hilfe von außen konnte es dazu kommen. Wir müssen damit demütig umgehen und Vertrauen zurückzahlen. Aber wir können jetzt befreiter aufspielen«, sagte Arminias Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek.

Vor den positiven, wirtschaftlichen Aussichten erlebte der DSC sehr dunkle Momente. »Wir hatten im Dezember eine Liquiditätslücke in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Das größte Problem war aber, dass wir zum Ende des Jahres 2017 aus dieser Situation heraus zahlungsunfähig gewesen wären«, erläuterte Rejek gestern.

Schon zu Saisonbeginn fehlten 2,5 Millionen Euro. Gerade mal 25.000 Euro Guthaben wies das DSC-Konto zu diesem Zeitpunkt auf. Bis zum Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni 2018 hätte sich das Minus laut Berechnungen auf insgesamt 9,1 Millionen Euro summiert. Die Folge: Ein »TotalCrash« für den Klub, wie es Rejek bezeichnete, und ein Totalverlust für alle Gläubiger des Zweitligisten. Rejek: »Am 21. Dezember stand praktisch fest, dass wir zahlungsunfähig sein werden.«

»Bündnis Ostwestfalen«

Man telefonierte ab diesem Tag hastig, zapfte sämtliche Quellen an und erschuf so in kürzester Zeit das »Bündnis Ostwestfalen« – ein Zusammenschluss von zwölf OWL-Unternehmen, die den Klub davor bewahrten, »dass die Marke Arminia Geschichte ist«, beschrieb DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer die bedrohliche Situation vor der erfolgreichen Rettung. Mit Hilfe der Geldgeber konnte nicht nur das aktuelle Finanzloch geschlossen werden. In vielen aufreibenden Gesprächen wurde zudem beschlossen, dass das Bündnis vier Millionen Euro in die Spielbetriebsgesellschaft KGaA einzahlt – nicht als Darlehen, sondern als frisches Kapital.

Darüber hinaus verständigte sich der Arminia e.V. darauf, Aktien im Wert von einer Million Euro vom langjährigen DSC-Unterstützer Gerhard Weber (Gerry Weber AG) zurückzukaufen. Diese erhöhen das Stammkapital des e.V. von 2,5 auf 3,5 Millionen Euro. Wie zu vernehmen war, soll Weber dem Klub beim Kaufpreis für diese Anteile stark entgegen gekommen sein. »Herr Weber spielt hier seit Jahren eine wichtige Rolle. Er hat seit 2010 eine persönliche Einlage im Verein. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Aber er möchte aus seinem Engagement heraus. Deshalb kaufen wir seine Aktien zurück«, erläuterte Klubboss Laufer.

Zwölf neue Bündnis-Mitglieder

Zukünftig soll die Investorengruppe »Bündnis Ostwestfalen« an die Stelle von Gönner Gerhard Weber treten. Entsprechend sollen die Unterstützer in den Aufsichtsrat des Klubs involviert werden. »Unser Anspruch muss doch sein: Wir brauchen jemanden von ihnen in unserem Aufsichtsrat. Wir können so etwas von erfolgreichen Unternehmen mitnehmen«, begründete Rejek. Das bedeutet, dass der Klub seine Gremien bedingt durch die zwölf Bündnis-Mitglieder neu besetzen wird.

Mit im Schuldenbereinigungs-Boot saßen das Land NRW aufgrund einer Stadionbürgschaft, die Stadt Bielefeld wegen einer Bankbürgschaft und die Banken selbst. Mit den institutionellen Gläubigern wurde ein Konzept zum Schuldenverzicht erarbeitet, private Gläubiger stimmten ebenso zu. Im Jahr 2023 könnte der DSC nach diesen Plänen seine kompletten Schulden abgebaut haben. Ein wichtiger Baustein zum Erreichen dieses Ziels ist wie berichtet das Stadion. »Es ist ein Sanierungskonzept unter Bedingungen. Eine Bedingung ist, dass das Stadion verkauft wird«, sagte Rejek und bestätigte zudem, dass Arminia ein verbrieftes Rückkaufrecht für die Schüco-Arena habe.

Stadion soll bis zum 30. Juni verkauft sein

»Den Verkauf des Stadions würden wir gerne spätestens bis zum 30. Juni abschließen. Aber wir hoffen, dass es früher klappt«, erläuterte Geschäftsführer Rejek. Ein möglicher Käufer könnte die Stadt Bielefeld sein. Rejek sprach in diesem Zusammenhang von einer »interessanten Idee«, betonte aber gleichzeitig, dass in dieser Richtung noch keinerlei Gespräche geführt worden seien. Oberbürgermeister Pit Clausen wollte dazu gestern keinen Kommentar abgeben.

Der endgültige Kaufpreis des Stadions wird sich nach dem zu diesem Zeitpunkt erreichten Schuldenstand richten. Ein erheblicher Teil der dann noch vorhandenen Lücke solle durch den Verkauf geschlossen werden. Es könnte sich um etwa vier bis fünf Millionen Euro handeln. Kritischen Stimmen zum Thema Stadionverkauf begegnete Präsident Laufer mit der Aussage: »Es gehört zum Konzept, dass wir das Stadion verkaufen. Wir verkaufen aber damit nicht unsere Seele, sondern haben unsere Seele damit gerettet.«

Optimistisch in die Zukunft

Insgesamt blickt der DSC nun in eine äußerst positive Zukunft, die noch vergangenen Monat so nicht absehbar war. »Aus einer Krise haben wir die maximale Chance heraus geholt. Wir haben jetzt auch eine Nähe zu den Firmen, die wir vorher nicht hatten«, betonte Markus Rejek. Präsident Laufer meinte: »Das ist sensationell und einmalig, was hier passiert. Wir appellieren nun an die Mitglieder, dass sie diesen Weg mitgehen.« Ob es so kommt, wird bereits die Jahreshauptversammlung nächste Woche Sonntag (28. Januar) zeigen.

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