Fabian Klos über Ernst Kuster, die Hierarchie im Sturm und Arminias Finanzlage Klos: »Torrekord hat eine Riesenbedeutung«

Benidorm (WB). Das Kapitänsamt hat er im Sommer verloren, seinen Stammplatz hat er dafür zurückgewonnen. Im  Trainingslager in Benidorm zieht Arminia-Angreifer Fabian Klos eine Saison-Zwischenbilanz. Und äußert sich im Gespräch mit Sportredakteur Dirk Schuster ausführlich über ...

Von Dirk Schuster
Gespräch unter Palmen: Armine Fabian Klos erklärt Redakteur Dirk Schuster, inwiefern er von Andraz Sporar profitiert hat.
Gespräch unter Palmen: Armine Fabian Klos erklärt Redakteur Dirk Schuster, inwiefern er von Andraz Sporar profitiert hat. Foto: Thomas F. Starke

… den Verlust des Kapitänsamtes an Julian Börner:

»Ich gebe zu: In den ersten paar Minuten nach der Abstimmung im Sommer war es ein komisches Gefühl – allein schon aus der Gewohnheit heraus. Ich habe das ja ein paar Jahre lang gemacht. Ich habe es aber nie als Vertrauensbruch seitens der Spieler empfunden. Es war eine Wahl, bei der Julian und ich deutlich die meisten Stimmen bekommen haben. Er lag am Ende mit einer Stimme vorne. Möglicherweise war es meine, weil ich sie ihm gegeben habe (lacht). Julian und ich haben ein super Verhältnis. Nicht nur, weil wir im selben Verein spielen, sondern weil wir Freunde sind. Ich gönne ihm dieses Amt. Für mich ist er ein guter Kapitän.«

… die bisher erreichten 25 Punkte und Platz neun: »Der richtige Weg ist, nicht nach oben zu denken. Aber ich sehe in dieser Mannschaft definitiv mehr Potenzial als für den aktuellen neunten Platz. Spielerisch und läuferisch zählen wir zum oberen Drittel. Nur hatten wir zu viele Schwankungen. Nach dem überragenden Auftakt kam eine gewisse Selbstzufriedenheit, weil wir mit diesem Superstart vielleicht auch noch nicht so richtig umgehen konnten. Das ist ein Lernprozess, von dem wir in der Rückrunde profitieren könnten. Diese Gier, nach drei Siegen auch das vierte und fünfte Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, muss sich entwickeln. Die Mannschaft ist definitiv in der Lage, noch besser abzuschneiden als in der Hinrunde.«

… seine persönliche Hinrunde: »Wenn ich bedenke, dass im Sommer die Frage war, ob ich überhaupt meinen Stammplatz zurückerobern und unter Jeff Saibene spielen werde, muss ich sagen, dass ich relativ zufrieden bin. Ich habe mit einer Ausnahme jedes Spiel von Anfang an bestritten. Meine Rolle bezüglich der Laufarbeit und der Laufwege hat sich verändert, was sich auch in der Torausbeute widerspiegelt. Drei Treffer sind für einen Stürmer sicher nicht überragend. Aber ich bin mir sicher, dass ich noch immer meinen Wert für das Team habe. Manchmal haben Stürmer auch einfach einen Lauf und manchmal nicht. Andreas Voglsammer sind bei einigen seiner acht Tore ein paar Bälle ganz passend auf den Fuß gefallen. Das war bei mir weniger der Fall.«

… die Hierarchie im Angriff: »Es ist doch vollkommen logisch, dass in der Öffentlichkeit die Reihenfolge der Stürmer nach der Anzahl ihrer Tore festgelegt wird. Ich selbst sehe bei uns keinen als Stürmer Nummer eins, zwei, drei und vier an. Vogi ist aufgrund seiner Torstatistik bisher der auffälligste Stürmer. Aber das kann ich gut akzeptieren. Ich sehe Andreas definitiv nicht als Konkurrenten. Im Gegenteil: Wenn ich sehe, wie viel er arbeitet, freue ich mich tierisch für ihn, wenn er trifft. Vogi und ich haben immer gezeigt, dass wir gefährlich sind. Einer ist immer in der Lage, ein Tor zu erzielen, ab und zu auch mal beide. Aufgrund dessen, aufgrund unserer Laufarbeit und unserer Mannschaftsdienlichkeit sind wir extrem eklig für den Gegner.«

… den Weggang von Andraz Sporar: »Ich bin nicht dumm, ich hatte im Sommer den Vereinsgedanken hinter der Ausleihe von Andraz Sporar natürlich erfasst. Meine Zukunft in Bielefeld war zu diesem Zeitpunkt noch offen, es ging dem Klub um eine Alternative für mich. Andraz ist sehr talentiert. Ich habe mich herausgefordert gefühlt. Es gab einen fairen Konkurrenzkampf, den ich im Sommer gewonnen habe, und damit ist er nicht so gut klargekommen. Und ich kann sagen, dass längst nicht jeder im Team damit einverstanden war, wie er das gehandhabt hat. Für mich kann ich rückblickend sagen, dass ich im Sommer alles richtig gemacht habe, indem ich geblieben bin. Weil ich jetzt wieder regelmäßig bei dem Verein spielen kann, mit dem mich sehr, sehr viel verbindet.«

… die Chance, bald den Torrekord von Ernst »Johnny« Kuster einzustellen, der 111 Pflichtspieltreffer für Arminia erzielt hat: »Um ehrlich zu sein, hat das eine Riesenbedeutung für mich. Ich wüsste nicht, welche größere Ehre es für einen Stürmer geben sollte. Es gibt natürlich viele, die sagen, das sei eine ganz andere Zeit, eine ganz andere Liga. Aber die Tore musst du erst mal schießen. Wenn du nur noch zwei Treffer davon entfernt bist, den Rekord einzustellen, dann willst du die so schnell wie möglich schießen. Denn dann bist du auf ewig mit diesem Verein verbunden. Wenn das 111. dann auch noch ein Siegtor wäre, wäre es das i-Tüpfelchen. Sollte das der Fall sein, werde ich der Mannschaft definitiv einen ausgeben.«

… Arminias Finanzlage: »Als ich 2011 meinen ersten Vertrag bei Arminia unterschrieben habe, war nicht mal klar, ob der Verein überhaupt eine Lizenz für die 3. Liga bekommen würde. Seit sechseinhalb Jahren gehe ich nun schon so mit diesem Verein durchs Leben. Die Verantwortlichen haben es jedes Jahr geschafft, sie werden es auch diesmal schaffen. Das hier und da mal Geld fehlt, muss man als Spieler bei Arminia so akzeptieren. Den Plan, nun langfristig etwas aufbauen zu wollen, kann ich nur begrüßen – auch weil ich nicht davon ausgehe, dass ich nur noch ein halbes Jahr hier sein werde und mich das dann nichts mehr angeht. Ich habe ja noch bis 2019 einen Vertrag – und dann gucken wir mal weiter.«

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