Neuer DSC-Geschäftsführer erlebt turbulente erste 100 Tage Rejek treibt Arminia an

Bielefeld (WB). Die Hochs und Tiefs, Probleme und Sorgen des Fußballgeschäfts sind Markus Rejek aus seiner Zeit beim BVB und bei 1860 München gut bekannt. Allein schon diese Expertise qualifiziert Rejek als Geschäftsführer der krisengeschüttelten Arminia.

Von Sebastian Bauer
Markus Rejek könnte sich für den DSC als Glücksgriff erweisen.
Markus Rejek könnte sich für den DSC als Glücksgriff erweisen. Foto: Thomas F. Starke

Dass der 49-Jährige seinen 100. Arbeitstag beim DSC am kommenden Montag in unruhigen Zeiten erlebt , passt also perfekt ins Bild. Zum Dienstjubiläum gesellen sich Finanzprobleme, Lizenzsorgen und der Rausschmiss von Rejeks Ex-Geschäftsführerkollege und Vorgänger Gerrit Meinke . Vor allem die akuten finanziellen Probleme des DSC haben den Kaufmann in seinen ersten drei Monaten mächtig auf Trab gehalten. »Dieses Ausmaß war mir nicht bewusst«, sagte Rejek diese Woche auf die Frage, ob ihm die wirtschaftlichen Umstände bei seinem Amtsantritt am 1. Oktober bekannt gewesen seien.

Der Geschäftsführer hat sich in diesen stürmischen und brisanten Zeiten als anpackender und zielorientierter Steuermann ausgezeichnet. Trotz Etatlücke zeigt er sich zuversichtlich, die Nachlizenzierung erfolgreich abzuschließen. In solch unruhigen Phasen die Ruhe zu bewahren, hat Rejek vor allem bei 1860 München gelernt. Von Februar 2014 bis Sommer 2016 arbeitete er als Geschäftsführer der Löwen. Einem Klub mit Schulden und mit einem mitteilsamen und nicht einfachen Investor Hasan Ismaik. Rejek: »Ich kenne die Situation von meiner Station in München. Auch da sind schwierige Bedingungen gewesen. Ich habe eine absolut lehrreiche Zeit erlebt. Und in Krisenzeiten lernt man mehr

Rejek schafft eine neue Perspektive

Beim DSC ist der neue Macher nun besonders damit beschäftigt, dem Klub trotz schwieriger Ausgangslage eine neue Perspektive zu verschaffen. Mit viel Überzeugungskraft hat Markus Rejek Sponsoren, Gönner und Gläubiger an einen Tisch gebracht . Schon beim Start im Oktober sagte der Mann aus Mülheim an der Ruhr: »Die finanzielle Situation bei Arminia ist seit Jahren angespannt, und da müssen wir rauskommen. Die Entschuldung ist eines der wichtigen Ziele. Man braucht mehr Freiraum.«

Daran hat Rejek in seiner kurzen Zeit in Bielefeld bereits intensiv und anscheinend mit so viel Erfolg wie lange kein Geschäftsführer vor ihm gearbeitet. Kurzfristige Finanzspritzen, die Arminia ein- bis zweimal im Jahr benötigte, wenn die Lizenzierung anstand, sollen als unbeliebtes Stilmittel der Vergangenheit angehören. Der Geschäftsführer will den DSC zusammen mit den Vereinsgremien und insbesondere den Geldgebern zukünftig auf gesündere Beine stellen. Vom Engagement der Ostwestfalen für ihren DSC sei Rejek dabei sehr begeistert. Und er schätzt die ostwestfälische Bodenständigkeit: »Von Präsidium, Geschäftsführung und Aufsichtsrat aus müssen wir visionäre Ziele aussprechen. Aber in Ostwestfalen hat man immer gut damit gearbeitet, wenn man das bodenständig macht und die Visionen nicht zu hoch hängt.«

»Man muss einen Mehrwert bieten«

Seine Arbeitsweise, um Partner von einer Kooperation zu überzeugen, beschreibt er so: »Man muss den Unternehmen einen Mehrwert bieten. Man muss gemeinsam eine Geschichte erzählen. Man muss rechtfertigen, warum sie Geld ausgeben soll.« Diesen Mehrwert scheinen einige ostwestfälische Unternehmen erkannt zu haben. Rejek soll der Antreiber beim Zusammenwirken von Sponsoren sein, die dem Verein schon bald mit neuem Geld und Schuldenerlass helfen könnten. Genauer wird Arminias Geschäftsführer bei diesem Thema nicht und teilt nur mit: »Sobald wichtige Verhandlungsergebnisse erzielt werden konnten, werden wir diese transparent darstellen.«

Sollte das gelingen, wäre es wohl eine Art Krönung von Markus Rejeks bisherigem Wirken in Bielefeld.

Kommentare

Michi,Michi,Michi..

So langsam fällt auch dem letzten Goten,entschuldige,der Elbsandstein zur Erleuchtung auf den Helm.. Ja,Schuldenerlass....Europapokal ist greifbar.

Schuldenerlass!?!

Zum ersten Mal ist nun im Zusammenhang mit den Sanierungsplänen für die Arminia das Wort "Schuldenerlass" zu lesen. Bislang war lediglich von Rettungsschirmen (die nach neuen Krediten klingen; s. die Verwendung des Begriffs im Griechenland-Schulden-Epos), Wandlungen, Genussscheinen etc. die Rede. Ich neige aber dazu, an dieser Stelle nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, das zudem kein Zitat von Rejek ist. Dennoch weckt es die Phantasie des Lesers.

Ansonsten möchte ich nicht den Korinthenk... geben, aber in diesem Fall könnte sich ein schmerzhaftes Missverständnis aus einer kleinen Unachtsamkeit von Herrn Bauer ergeben. Er schreibt:

"Die Hochs und Tiefs, Probleme und Sorgen des Fußballgeschäfts sind Markus Rejek aus seiner Zeit beim BVB und bei 1860 München gut bekannt. Allein diese Expertise qualifiziert Rejek als Geschäftsführer der krisengeschüttelten Arminia."

Es muss sicherlich heißen: "Allein SCHON diese Expertise qualifiziert ...". Denn natürlich bringt Herr Rejek jede Menge Qualifikation über die Krisenerfahrung im Fussball-Biz hinaus mit.

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