Verein beschließt die Herausgabe von Genussscheinen Arminia braucht Geld

Bielefeld (WB). Einen Tag nach dem Bekanntwerden von Gerrit Meinkes Entlassung als Geschäftsführer der Stadiongesellschaft Alm KG ( das WESTFALEN-BLATT berichtete exklusiv ) und der angespannten finanziellen Situation bei Arminia Bielefeld wird nun öffentlich, dass der DSC eine neue Option in Betracht zieht, um an Kapital zu gelangen.

Von Sebastian Bauer
Auf Präsident Hans-Jürgen Laufer und seine Gremienkollegen wartet noch eine Menge Arbeit.
Auf Präsident Hans-Jürgen Laufer und seine Gremienkollegen wartet noch eine Menge Arbeit. Foto: Thomas F. Starke

Am 20. Dezember hat die Hauptversammlung der DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA die Geschäftsleitung ermächtigt, bis zum 20. Dezember 2022 einmalig oder mehrmals Genusscheine mit oder ohne Laufzeitbeschränkung auszugeben. »Es geht darum, Darlehen in Genussscheine zu wandeln. Darlehen werden so zu Kapital. Das ist eine Option, noch kann man aber nicht viel dazu sagen«, erklärte Hans-Jürgen Laufer gegenüber dieser Zeitung.

Laut des Präsidenten sei es bis jetzt auch noch nicht zu Wandlungen gekommen: »Wir haben den Beschluss gefasst, um es bei Bedarf machen zu können. Noch ist nichts gewandelt worden.«

Genussschein als neuer Anreiz für Arminias Darlehensgeber

Die Option Genussschein dürfte auch als neuer Anreiz für Arminias Darlehensgeber verstanden werden, die eigentlich zu Wandlungen ihrer Darlehen in Stadionanteile bewegt werden sollten.

Wie berichtet erwägt der DSC nun allerdings, die im Jahr 2011 gegründete Stadiongesellschaft (Alm KG) aufzulösen. Ein Jahr nach der Gründung hatte die KGaA die Arena an die Alm KG verkauft und so die Schulden an die neue Gesellschaft übertragen.

Schulden in Höhe von etwa 22 Millionen Euro

Das eigentlich als Entschuldungsinstrument geplante Kons­trukt in der Arminia-Gruppe hat die Erwartungen der Verantwortlichen aber bei weitem nicht erfüllt. Lediglich zwei Geldgeber konnten durch Wandlungen ihrer Darlehen in Stadionanteile zum Schuldenabbau des Vereins beitragen. »Die Alm KG steht deshalb unter besonderer Beobachtung. Es gibt auch Überlegungen, sie zurückzudrehen«, hatte Laufer dieser Zeitung gesagt.

Zukünftig könnten die nun möglichen Genussscheine die Stadionanteile als Wandlungsmittel ersetzen. Für den mit etwa 22 Millionen Euro verschuldeten Fußball-Zweitligisten ist die Beschaffung von neuem Kapital immens wichtig – und mit Genussscheinen womöglich realisierbar.

Neujahrsempfang für die Sponsoren abgesagt

Nachdem bereits die Jahreshauptversammlung vom 11. Dezember auf den 28. Januar verlegt worden ist , musste der DSC nun nach eigenen Angaben aus Termingründen vorerst seinen Neujahrsempfang für die Sponsoren absagen. Das geht aus einer Mail vom 18. Dezember hervor, die dem WESTFALEN-BLATT vorliegt.

Darin heißt es: »Nach zahlreichen Überlegungen und internen Gesprächen müssen wir Ihnen heute leider mitteilen, dass wir den geplanten Neujahrsempfang 2018 im nächsten Monat nicht stattfinden lassen können und eine alternative Sponsorenveranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt nachholen möchten.«

Und weiter heißt es in dem Schreiben: »Der enge Terminkalender macht es uns leider unmöglich, eine dem Anlass angemessene Veranstaltung mit unseren Sponsoren, den DSC-Offiziellen sowie Mannschaft und Trainerstab zu realisieren.«

Kommentare

Einen Ostwestfalen kann nichts erschüttern..

Stur,Hartnäckig und Kämpferisch wird auch diese kleine finanzielle Beule repariert.Der Ostwestfale fängt erst dann an zu kämpfen, wenn andere schon längst am Boden liegen.Arminia wird aufsteigen und dafür werden gerade die Rahmenbedingungen fest gemacht.Einen guten Rutsch und wir lesen uns im Aufstiegsjahr 2018 wieder.Skol..

die andere Sichtweise

Nachdem ich noch einmal eine Nacht darüber schlafen konnte, hat sich mein erster Schreck gelegt. Die Unart, in Deutschland eine Firma immer weiter aufzusplitten, sollte gesetzlich verboten werden. Sie dient lediglich dazu, legal Steuern zu prellen oder für die Banken die Bilanzen zu schönen. Getreu dem Motto "ich buch mir die Welt fidewidewitt wie sie mir gefällt" wird gebucht, was das Zeug hergibt. Dabei bleibt ein Euro immer ein Euro, wie man spätestens bei der geplatzten Blase 2007 feststellen durfte.

Die Zahlen bei Arminia wurden von Wirtschaftsprüfern bei der DFL/ dem DFB ebenso geprüft und abgenickt, wie bei den Banken. Da sich die Rahmenbedingungen eher verbessert haben (s. Zuschauerzahlen), dürfte von dieser Seiter her alles in Ordnung sein. Warum sonst sollte man kurz vor Weihnachten den Vertrag mit Prietl verlängern? Nein, mittlerweile habe ich eine andere Vermutung. Für mich ist folgendes Szenario darstellbar:

Arminia klopft während der Saison oben an. Arabi (für Verstärkungen ist kein Geld da) und Meinke mit seinem Prämienspruch bringen bei zwei Hauptsponsoren das Fass endgültig zum Überlaufen. Sie setzen dem AR die Pistole auf die Brust, was sie aufgrund gegebener Darlehen oder gar Stundungen durchaus können. Sie zwingen den AR, diese unsinnige Alm KG (mich interessiert die genaue Firmierung hier überhaupt nicht, denn es handelt sich um Arminia Bielefeld, s.o.) und damit auch Meinke in´s Nirvana zu schicken, bzw. rückabzuwickeln, weil sie die einzigen Sponsoren sind, die gewandelt haben. Deren Wirtschaftsprüfer haben natürlich auch regelmäßig Einsicht in die Bücher und sind nicht dumm. Sie sehen, dass das Fass ohne Boden mehr Substanz verliert, als sie aufbaut. Sie zwingen weiterhin den Verein zu absolutem Stillschweigen. Was das Leckerli nach getaner Arbeit sein wird, dürfte klar sein. Moos. Vielleicht sogar so viel, dass man wirklich oben angreifen kann. In diesem Fall hätte mich der "AR" mit seiner plötzlichen Entschlossenheit nicht so überrascht, wie es gestern für mich aussah.

Sollte so etwas in dieser Art geschehen sein, bin ich zufrieden. Dann kann der Verein meinetwegen noch ein wenig Schweigen. Spätestens auf der JHV kommen die Zahlen eh auf den Tisch.

Und wenn Herr Laufer sagt, dass man BISHER die Gehälter zahlen konnte, so passt das für mich als letztes Puzzlestück hinein, denn ohne die Geldgeber im Hintergrund läuft nichts. Aber zu diesem Gau wird es nicht kommen. Dazu sind sie zu sehr Fans.

Kohle

Am Ende geht es wie immer um die Kohle. Ist dann auch egal, ob es sich um einen Traditionsverein oder ein Unternehmen oder sonst etwas handelt. Hier sind es die treuen Fans dort sind es langjährige Mitarbeiter.
Zu oft ist leider ein schlechtes Management verantwortlich. Man kann den Verantwortlichen meistens, außer Ahnungslosigkeit gar nichts vorwerfen. Da werden Ex-Profis zu Managern erkoren. Man fragt sich da schon, mit welcher Berechtigung dieses geschieht. Diese Nostagie hat bei als Wirtschaftsunternehmen geführten Clubs wirklich nichts zu suchen.
Aus dem Nichts kommt es zu einer Überraschung, Bumm, am Ende des Geldes ist noch soviel Jahr übrig. Das spricht nicht für eine seriöse Finanzplanung, sondern für ein unüberschaubares Chaos. Arminia hat in allen Belangen das Potenzial für die 2. Liga. Die Region, die Fans, die Sponsoren und alle anderen Supporter haben diese Klasse. Warum muss dies immer wieder durch das Management in Frage gestellt werden? Wir sind Ostwestfalen, ihr auch?

Zunächst eine Anmerkung: Während der lange bekannte Unterhaltungskünstler unter diversen Usernamen bei der Konkurrenz Meinungen am Fließband produzieren darf, spricht derselbe hier über Pressezensur, weil ein Redakteur die Beiträge gern lesen möchte, bevor er sie freigibt. Falsch, Herr Pumuckl "und Konsorten". Hier wird nach den Mediengesetzen agiert, während Sie den ganzen Tag Schrotttexte produzieren dürfen oder müssen, die man gemeinhin als Fake News bezeichnet, in einem Forum, das stets bewusst hart an der Grenze zur Illegalität agiert und das als Wahrung der Meinungsfreiheit ausgibt. Aber auch dort gibt es eine Handvoll besorgter Arminen. Allerdings vestehe ich schon lange nicht mehr, wie man es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, ein Medium zu unterstützen, welches ganz offensichtlich wiederholt auf abstoßende Weise die Situation bei Arminia ausnutzt, um im eigenen Stall zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Vielleicht würde es Arminia irgendwann helfen, den gesunden Menschenverstand einzusetzten. Zum Beispiel, BEVOR ein Konstrukt gegründet wird, mit dem Schulden getilgt werden sollen. Zunächst sollte man sich vergegenwärtigen, dass man Schulden nicht wegbuchen kann. Man kann sie nach Schalker Modell von einer Tochter zur nächsten verschieben, aber auf diese Weise nicht bezahlen. Zweitens muss ich mich vorher fragen, mit welchen Einnahmen ich kalkulieren kann und ob diese Einnahmen zu steigern sind. Die Antwort liegt doch auf der Hand. Es gibt einen Hauptmieter, bei dem ich mich alle Jahre wieder fragen muss, ob er seine Miete bezahlen kann. Und es gibt weitere Mieteinnahmen, aber die Erwartung von Mehreinnahmen tendiert gegen Null. Jeder Kaufmann, der diese einfachen Zusammenhänge nicht erkennt, landet irgendwann vor dem Konkursrichter. Einzige Aufgabe kann neben der Verwaltung der Schulden also sein, Gläubiger anzusprechen, Schulden in Stadionanteile umzuwandeln. Nur 2 (zwei) Gläubiger haben das Angebot also angenommen. Und schon fällt mir die 3. Gretchen-Müller-Frage ein: kann ich nicht die Hauptgläubiger VORHER fragen, ob Aussicht auf eine solche Umwandlung besteht ? BEVOR ich eine Stadiongesellschaft gründe, die mehr Geld verschlingt, als sie einbringt ?

Ein weiteres Problem bei Arminia ist ganz sicher die fehlende Transparenz, die Außendarstellung wirkt amateurhaft und lässt viel Raum für Spekulation. Bleibt zu hoffen, dass die Haupt-Sponsoren schon lange über die aktuellen Zustände informiert sind. Bei mir als einfachem Fan brechen zurzeit Welten zusammen. Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr. Einerseits gibt es Vereine, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte, die sich trotz beachtlichem Erfolg aufgrund offenkundlicher Eitelkeiten einer Einzelperson von diversen Trainern trennen und sich diesen Spaß 10 Mio. kosten lassen und wir bringen es nicht einmal fertig, in Zeiten einer historischen Niedrigzinsphase mithilfe von Sponsoren und Banken eine Umschuldung hinzubekommen. Zinsen und Tilgung geschätzt 3 Mio. pro anno. Jeder andere Zweitligaverein muss, bis auf wenige Ausnahmen, Kosten für ihr Stadion in ähnlicher oder erheblich höherer Höhe stemmen. In Kaiserslautern spricht man von 10 Mio. pro Jahr.

HELFT!

Ich finde es schade, dass solche großen Unternehmen wie dr. Oetker oder seidensticker nicht eingreifen. Meiner Meinung nach ist arminia ein Kulturgut, dass bewährt werden muss.

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