Kerschbaumer und Voglsammer lassen auf ihre Fehler Tore folgen Eine Frage des Vertrauens

Bielefeld (WB). Mit Fußball ist es so wie in allen Spielen: Ganz ohne Glück oder Pech läuft’s nicht. Und es gibt bestimmt kaum einen Akteur, der noch nicht hin und her gewandert ist zwischen den Endpunkten der Gefühlswelten. Die Arminen Andreas Voglsammer und Konstantin Kerschbaumer haben in dieser Saison nicht lange dafür gebraucht.

Von Friedrich-Wilhelm Kröger  und Jens Brinkmeier
Flankiert von Keanu Staude freuen sich Bielefelds Torschützen Konstantin Kerschbaumer und Andreas Voglsammer.
Flankiert von Keanu Staude freuen sich Bielefelds Torschützen Konstantin Kerschbaumer und Andreas Voglsammer. Foto: Thomas F. Starke

Im Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf war ihre Mannschaft auf die Siegerstraße eingebogen, ehe das DSC-Duo per blödem Fehlpass und misslungener Ballannahme die Wende herbeiführte. Es waren Torgeschenke jener Art, nach denen man als Verursacher direkt im Boden versinken möchte.

Neun Tage später meldeten sie sich nicht nur als Eroberer der Tabellenspitze zurück auf der Sonnenseite. 1:0 Voglsammer, 2:0 Kerschbaumer. Alles wieder gut nach dem Sieg gegen Bochum.

Vom Unglücksraben zum Glückspilz

Vor allem Voglsammer hatte seinen Aussetzer, der die Fortunen wieder reinbrachte in die Partie, im ersten Augenblick ziemlich zugesetzt. Das legte sich schnell, weil es Vorwürfe erst gar nicht gab. »Der Trainer hatte mir gesagt, ich solle mir keinen Kopf machen. Und das habe ich auch nicht. Fehler passieren, meine Leistung gegen Düsseldorf war ja trotzdem okay«, berichtete der Unglücksrabe, aus dem auf Anhieb wieder ein Glückspilz wurde.

Doch diese Kategorien zählen eigentlich nicht, sie sind nahezu unbedeutend. Worauf es ankommt: Rückhalt spüren. So sieht das jedenfalls Arminia-Trainer Jeff Saibene: »Es ist wichtig, Spielern das Vertrauen zu schenken, wenn sie Fehler machen.«

Nicht unter Kontrolle

Der von Kerschbaumer bestand in der Pokalpartie gegen Zweitligarivale Düsseldorf darin, ein Anspiel seines Torhüters Stefan Ortega Moreno nicht unter Kontrolle gebracht zu haben. Sekunden später zappelte der Ball zum zweiten Mal im Bielefelder Netz. Von diesem 1:2 in der sechsten Minute der Verlängerung erholte sich Arminia nicht mehr. »Im Fußball ist es so, dass eben über Fehler und Tore geredet wird«, sagte Kerschbaumer nun zu fortgeschrittener Stunde am Montagabend.

Ein abgeklärter Kommentar eines Profis, der sich selbst aber nicht an den schönen oder weniger schönen Momenten misst, sondern an der eigenen Leistung. Die sei gegen Düsseldorf besser gewesen als gegen Bochum. Nur gegen den VfL hat er eben kein Tor des Gegners eingeleitet, stattdessen selbst einen Treffer erzielt. »Komisches Spiel«, meinte der Österreicher zu der sportlichen Disziplin namens Fußball. Und doch berechenbar, manchmal zumindest.

»Das Gelbe vom Ei«

Es war kein Zufall, nach einer kurz ausgeführten Ecke von Keanu Staude die reingeschnippelte Kerschbaumer-Flanke direkt in den Kasten segeln zu sehen. Auch Saibene bestätigte, dass diesem Tor eine einstudierte Idee zu Grunde gelegen hat. »Schön, wenn das dann so funktioniert«, meinte der Schütze. Wenn Kerschbaumer dies eher unaufgeregt feststellte, dann mochte es zu einem Teil daran gelegen haben, nicht so zufrieden gewesen zu sein. Erste Halbzeit: alles noch okay. Zweite Halbzeit: »Das war nicht das Gelbe vom Ei. Das können wir besser.«

Der DSC brachte den Ball kaum einmal über längere Phasen in seinen Besitz. In diesem Zusammenhang ist die Gesamtspielstatistik der Österreich-Achse im Mittelfeld interessant. Kerschbaumer und Manuel Prietl verzeichneten zusammen nur 75 Ballkontakte, liefen sich mit mehr als 26 Kilometern aber beinahe einen Wolf, um Räume zu schließen.

Immer auf Achse

Auch Voglsammer ist jemand, dem kein Weg zu weit ist. Immer auf Achse, der Mann. Und gegen Bochum exakt da, wo er nach dem Durcheinander in der VfL-Abwehr sein musste. Er schob zum 1:0 ein, es war sein erster Saisontreffer und auch sonst ein Auftritt, der Saibenes Auffassung über Vertrauen zu jenen Profis bestätigte, die vorher einen Bock fabrizierten: »Meistens ist es so, dass diese Spieler das zurückgeben.«

Kommentare

No risk no fun

@arminiatreuer rübergemacht von Rot;))..Arminia ist zur Zeit wie Porsche ohne Bremsen fahren....Schöne,gerade Strecke und lass Kapelle gehen.Skol,hab schon viel Spaß auf Sonntag.Zum Tabellensechsten nach Berlin...hahaha.

Viele Gründe

Es gibt sicherlich mehrere Gründe für Erfolg bzw. Misserfolg. Einer davon ist aber vermutlich auch ganz profan, nämlich die Lust auf mehr. Mehr Tore, mehr Punkte, mehr Feiern vor dem Fanblock und sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, die Lust auf mehr Geld. Drei Siegprämien allein im August - bisher - lassen die Gehaltszahlungen vermutlich deutlich steigen. Für mich ist es völlig legitim, dass sich eine Leistung auch dadurch steigern lässt. Das Gefühl mehr verdienen zu können, ist doch eine wunderbare Triebfeder für all unser Tun. Insofern kann sich auch der eine oder andere Selbstläufer aufbauen. Warten wir es ab. Momentan ist oben. Nach Ebbe kommt die Flut...

Blocky hebt ab

Ach herrlich! Wenn ich die Kommentare der letzten Tage so sehe sind eigentlich alle positiv gestimmt aber drücken trotzdem noch ein wenig auf die Bremse und dann kommt Blocky und haut die Karten auf den Tisch!;) Eins steht auf jeden Fall fest und das haben unter dem anderen Artikel der Fußballsystemkritiker und Beutelipper in ihren super Beiträgen schon mitverpackt: Das alles ist kein Zufall! Nicht nach nun 12 Spielen! Das war und ist harte Arbeit! Und Blocky hat Recht, wir provozieren die Fehler die wir dann zum Tor vollenden! Wir gehen dahin wo es weh tut! Und sie tun es zu Not 9 mal umsonst damit es dann beim 10. klappt! Wenn sie nicht so drauf gehen würden käme es gar nicht zu entsprechenden Situationen wie z.B. beim 1:0 gg Bochum! Wofür das am Ende dann reicht steht in den Sternen...Wenn man die Tendenz der letzten 12 Spiele hochrechnet weiß jeder was passiert aber im Fußball lebt man ja praktisch von Woche zu Woche. In Berlin scheint alles möglich zu sein...Bei uns fehlt Börni aber denen fehlt Gogia,Redondo und Prömel. Die werden es wohl mit viel Ballbesitz versuchen wogegen wir anpressen werden bis Blocky mit dem Krombi kommt!;)

@STOLPERHARRY

Selbstverständlich wissen wr alle, dass es so nicht weiterlaufen wird. Ich bin auch sicher, dass wir abgestiegen wären, wenn sich Würzburg gegen uns nicht dieses Ei ins eigene Nest gelegt hätte, und wir würden heute nicht über Saibene diskutieren. Sind die Mannschaften ausgeglichen, läuft im Fußball vieles zufällig ab, dazu gehören auch positive und negative Serien. Ich bin zutiefst überzeugt, dass nachhaltiger Erfolg das Produkt harter und langfristiger Arbeit über viele Jahre ist. Man muss eine Mannschaft so einstellen, mental und taktisch, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg etwas größer ist als die für eine Niederlage. Und am Ende der Saison wird dann abgerechnet. Einzelne Spiele zu analysieren, macht Spaß, vor allen den Leuten im Doppelpass, bringt aber herzlich wenig, und dient letztlich der Unterhaltung als 2. oder 3. Aufguss der Spieltagsanalyse.

Rehm hat sich von Anfang an durch ein mehr als unkluges Interview angreifbar gemacht, die Fallhöhe maximiert. Im Unterbewusstsein denken doch alle: Nu zeigt mal, was du so in der Praxis drauf hast. Und schon hast du den Anfang einer potenziellen Abwärtsspirale ohne Not selbst produziert. Saibene hat da einfach mehr Vertrauen vermittelt. Er sprach davon, dass er alles für den Verein tun wolle und dass seine Mannschaften i.a. sehr organisiert auftreten. Punkt. Danach hat er nicht viel geredet, sondern geliefert. Und wenn der Kopf frei ist, ist es fast egal, ob eine Mannschaft im 4-4-2, 4-3-3 oder 4-2-3-1 spielt. Noch ein paar Spiele, und wir sprechen über Spiele einer Halbserie (saisonübergreifend), da kann man schon einige Aussagen wagen. Saibene ist kein Heiliger, aber er zeigt, dass er die Mannschaft erreicht hat. Und wir sehen, wie eine Mannschaft wie Arminia über sich hinaus wachsen kann, wenn die Grundvoraussetzungen
gut sind. Mich beruhigt zudem, wie schnell und überzeugend die Mannschaft einen Nackenschlag wegstecken konnte, insbesondere durch Spieler, die zuvor grobe Fehler begangen hatten. Und jetzt sollten wir die schöne Momentaufnahme noch etwas genießen.

Tulpen aus Amsterdam;))

@Harry,Du musst überhaupt nichts befürchten.Im Gegenteil,wir fahren zusammen nach Holland und kaufen SWB Tulpenzwiebeln für den Oberbürgermeister Balkon.Wird klasse aussehen zur Aufstiegsfeier im nächsten Jahr.Der Glaube versetzt Berge.1:2 am Sonntag.:)))

Jetzt 23.000 gegen Duisburg !?

Die ersten Spiele erinnern mich irgendwie an die Saison 2000/2001, als Arminia gleich die ersten 4 Spiele gewann! Hoffe aber, dass es diesmal im weiteren Saisonverlauf besser läuft als damals nach den besagten ersten 4 Spielen!
Wie schon gesagt, ich mag den Jeff auch, stimme auch darin überein, dass er „bisher“ erstklassige Arbeit geleistet hat! Bei all der momentanen Schmeichelei kommt es mir inzwischen aber fast schon ein bisschen so vor, als müsste ich etwa Blocky’s oder gar des Lippers „Bannbulle“ fürchten, sollten sich bei mir ob meiner Arminia-Erfahrung auch nur mal die leisesten Zweifel daran einstellen , ob es wohl zukünftig genauso erfolgreich weitergehen kann! Aber sei’s drum, egal wie z.B. das Spiel in Berlin ausgeht, werden wir auch danach noch „oben“ stehen. Vielleicht kommen dann gegen Duisburg sogar die von „Häuptling Ruhige Hand“ erhofften 23.000 Zuschauer…

Tore mit Ansage...

Nun denn,mit etwas Abstand.Diese Tore wurden provoziert von BLAU.Hier zeigt sich deutlich die Handschrift eines Trainers.Bochum war und ist hinten schlecht.Das hat sich in diesen Situationen deutlich gezeigt.Ich werde diesen Heimsieg sicherlich nicht überbewerten,aber verdient war er allemal.Alle Statistiken sprechen gegen Arminia,aber das war ein ganz abgezocktes Spiel von BLAU.Ich schreibe es nochmal,JEFF ist ein Magier,ich weiß immer noch nicht,welchen Zaubertrank er unseren Jungs verabreicht hat,aber das Krombacher wirkt.Donnerschlag,jetzt nach Berlin,ich rechne mit allem.Vermutlich wieder drei Punkte und ich geh steil durch die Stadt und hisse SWB auf der Burg.Ich traue unseren mittlerweile alles zu....;))

Einstudierte Eckenvariante

Ich fand Flanken, die sich so gefährlich selbst aufs Tor ziehen, immer schon brandgefährlich, weil der Torwart eigentlich nicht beides gleichzeitig kann: auf einen Kopfball warten oder die Ecke, in der der Flankentorschuss einschlagen würde, sichern. Wenn klar ist, dass alle den Ball verpasst haben, ist es oft zu spät, den Ball noch aus der Ecke zu holen. Also: gut zu sehen, dass auch in puncto Standards gute neue Ideen entwickelt werden. Denn das wurde bislang bei den vielen Diskussionen darüber, dass sehr viele Spiele in der 2. Liga eng ausgehen, noch nicht beleuchtet: die Bedeutung von Standardsituationen. Ich hoffe, dass da noch mehr gute Ideen kommen und einstudiert werden. Bei der Variante, die zum 2:0 geführt hat, würde ich sagen, dass es da nicht so unbedingt auf den Überraschungseffekt ankommt, weil es schwer zu verteidigen ist, wenn der Ball erstmal in der Luft ist. Das kann man ruhig ab und zu mal versuchen.

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