Sebastian Schuppan über das Drama zwischen Dresden und Arminia Unvergessen

Bielefeld (WB). Diesen Tag, dieses Spiel, wird Sebastian Schuppan nie vergessen. Am 11. Mai 2014 stieg der Linksverteidiger mit Dynamo Dresden aus der 2. Liga ab – nach einem 2:3 gegen Arminia Bielefeld. »Das war sehr emotional damals und ist es heute noch, wenn ich daran zurückdenke«, sagt der 31-Jährige.

Von Jens Brinkmeier
11. Mai 2014: Sebastian Schuppan (rechts), damals Dresden, gegen Arminias Siegtorschützen Kacper Przybylko.
11. Mai 2014: Sebastian Schuppan (rechts), damals Dresden, gegen Arminias Siegtorschützen Kacper Przybylko. Foto: Thomas F. Starke

Nach dem Abstieg wechselt Schuppan nach Bielefeld, die Ostwestfalen mussten nach der Relegation auch den Gang in die 3. Liga antreten. Mit dem DSC muss er an diesem Sonntag (15.30 Uhr) in Dresden den nächsten Abstieg verhindern. Sollte Arminia wie vor drei Jahren gewinnen, ist der Klassenerhalt gesichert. »Ich möchte so etwas nie wieder erleben«, sagt Schuppan zu seinem einzigen Abstieg als Fußballprofi.

An den 11. Mai 2014 kann sich der Linksfuß noch sehr gut erinnern. »Wenn ich an die Fahrt zum Stadion denke, weiß ich gar nicht, wie ich das beschreiben soll«, erinnert Schuppan an die tausenden Dynamo-Anhänger, die den Weg zur Arena säumten. »Die Fans gaben richtig Gas. Sie haben uns bis zum Stadion begleitet. Man spürte ihre Euphorie vor dem wichtigen Spiel, aber auch die Wut über die schlechte Saison.«

Böller fliegen auf das Feld, Pyrotechnik wird gezündet

Das Spiel selbst sei so turbulent gewesen wie die gesamte Saison. Arminia führt trotz Unterzahl (Gelb-Rot Hübener, 37.) durch Fabian Klos (41.) und baut die Führung bei Gleichzahl (Gelb-Rot gegen Dresdens Gueye, 59.) erneut durch Klos auf 2:0 aus (63.).

Das ist zu viel für einige Dynamo-Anhänger. Böller fliegen auf das Feld, Pyrotechnik wird gezündet. Schiedsrichter Manuel Gräfe unterbricht das Spiel für gut 15 Minuten. »Die Bielefelder gingen in die Kabine, wir blieben draußen, um unsere Fans zu besänftigen«, erzählt Schuppan. Sein aktueller Mitspieler Tom Schütz ist damals schon für den DSC am Ball und erinnert sich: »Wir wurden in die Kabine geschickt. Da haben wir uns gesagt, dass wir nicht nachlassen dürfen.«

Das klappt gar nicht. Nachdem Gräfe wieder angepfiffen hat, dauert es nur Sekunden, bis Poté für die Gastgeber verkürzt (64.). Als sechs Minuten später Robert Koch das 2:2 gelingt, »dachte ich, das Stadion hebt ab. So laut hatte ich es noch nirgends erlebt«, erinnert sich Schütz. Schuppan pflichtet bei: »Ich weiß nicht, ob ich es jemals so laut erlebt habe wie bei dem Tor. Leider haben wir uns von der Euphorie anstecken lassen und sind sofort in einen Konter gerannt.« Kacper Przybylko trifft zum 3:2 (71.) für den DSC.

Schuppan: »Die schlimmsten 15 Minuten meines Fußballerlebens«

Schuppan wird in der 80. Minute ausgewechselt. »Dann begannen die schlimmsten 15 Minuten meines Fußballerlebens.« Von der Bank aus sieht er zu, wie Dynamo verzweifelt auf den Ausgleich drängt, der aber nicht mehr fällt. Als der Abstieg besiegelt ist, bleibt Schuppan noch Minuten auf der Ersatzbank sitzen. Das Plakat mit der Aufschrift »Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen« habe er zwar wahr genommen, aber »ich habe mich nicht darum geschert. Ich war wie im Film – einfach leer, und ich habe nichts gefühlt«, so Schuppan.

Stunden nach dem Spiel, auf dem Weg zu seinem Auto, trifft er noch auf Fans. »Die waren natürlich supersauer, aber die Stimmung im Gespräch war okay«, erinnert er sich. Trotzdem wird jeder Spieler mit Polizeieskorte nach Hause begleitet. »Die sind erst gefahren, als ich aus einem Fenster meiner Wohnung gewunken habe«, verrät Schuppan das Ende eines unvergessenen Tages.

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