Hindernisse auf dem Weg in die 2. Liga Wie ein 400-Meter-Hürdenlauf

Bielefeld (WB).  Die Aussicht auf die dicke Belohnung soll dem Drittligisten helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden. »Man muss sich vor Augen halten, was wir in den nächsten Wochen erreichen können«, sagt Trainer Norbert Meier vor dem dritten und letzten Spiel dieser denkwürdigen Englischen Woche der Arminia, die erst Cottbus (Liga) und dann Mönchengladbach (Pokal) besiegte.

Von Dirk Schuster
Raus aus der Eistonne, rein ins Getümmel: Armine Sebastian Schuppan (rechts gegen Dresdens Sinan Tekerci) will bei seinem Ex-Klub punkten.
Raus aus der Eistonne, rein ins Getümmel: Armine Sebastian Schuppan (rechts gegen Dresdens Sinan Tekerci) will bei seinem Ex-Klub punkten. Foto: Thomas F. Starke

An diesem Samstag (14 Uhr, WDR live) gastieren die Ostwestfalen bei Dynamo Dresden. Das Spiel soll ein weiterer großer Schritt werden in Richtung 2. Bundesliga. Der Aufstieg ist das Hauptziel, der DFB-Pokal, in dem Arminia das Finale erreichen kann, lediglich »die derzeit schönste Nebensache der Welt«, wie Verteidiger Sebastian Schuppan formuliert. »Eistonne, gute Ernährung, Schlafen«, zählt der frühere Dresdener auf, wie die Arminen die Folgen des 120-Minuten-Marathons am Mittwoch gegen Mönchengladbach in den Griff zu bekommen versucht haben. Schuppan trug in der vergangenen Saison noch das Dynamo-Trikot. 

Enormer Kräfteverschleiß

»Der Kräfteverschleiß ist enorm. Wir sind einer Dauerbelastung ausgesetzt wie Mannschaften aus der Bundesliga, die international spielen – natürlich immer in Relation gesetzt«, sagt Meier. Er meint: Was für den Pokal-Halbfinalgegner VfL Wolfsburg Europa League, Meisterschaft und DFB-Pokal sind, ist für Arminia die Mischung aus 3. Liga, DFB- und Verbandspokal. 

Nach dem Cup-Triumph über Hertha folgte in der Liga ein 0:1 in Kiel, nach dem Pokal-Sieg über Bremen ein 1:1 bei Dortmund II. Diesmal hofft Trainer Norbert Meier auf drei Punkte in Dresden.

Meier merkte unter der Woche bereits an, dass der Kader des DSC für diese Dreifachbelastung nicht gemacht sei. Und doch weiß natürlich auch der 56-Jährige, dass er besser nicht zu laut klagen sollte und ergänzt darum eilig: »Aber das ist besser als alles andere – besser als wenn wir Elfter wären und keine Pokalspiele mehr hätten.« Denn es gibt Mannschaften, die die Arminia beneiden um ihr Privileg, im April, wenn die Trophäen so langsam zum Entstauben aus der Vitrine geholt werden, noch auf drei Hochzeiten zu tanzen. In Dresden zum Beispiel dürfte der eine oder andere durchaus ein wenig eifersüchtig auf Bielefelds Erfolge blicken. Im Gegensatz zum DSC, der sich mit einiger Zuverlässigkeit immer wieder zu starken Leistungen aufrappeln kann, ist Dynamo nach und nach der Saft ausgegangen.

Dynamo ist ins Mittelfeld abgerutscht

Noch in der Hinserie galten die Sachsen als einer der härtesten Konkurrenten im Aufstiegskampf. Von ihren neun Punktspielen dieses Jahres konnten sie aber nur eines gewinnen. Dynamo ist ins Mittelfeld abgerutscht. Und auch im Pokal war nach ansprechender Leistung im Achtelfinale gegen Dortmund Schluss. Für Dresden geht es darum, die Serie seriös zu Ende zu spielen. Bereits am Donnerstag gab der Klub bekannt, in Uwe Neuhaus für die nächste Saison einen Trainer-Nachfolger für Peter Nemeth gefunden zu haben, der nur noch den Stuhl für Neuhaus warmhält. Die Zukunftsplanungen überlagern bei Dynamo das aktuelle Geschehen. Dass Arminia die drei Punkte deshalb geschenkt bekommt, erwartet Meier indes nicht – im Gegenteil: »In Dresden wird man die Runde nicht einfach auslaufen lassen. Solche Gegner können gefährlicher sein als andere. Die werden alles tun, um gegen uns erfolgreich zu sein.«

Mit Mathias Fetsch und Christian Fiel fallen zwei wichtige Dynamos aus. Auch deshalb hält Nemeth den Ball flach: »Wir spielen gegen die vielleicht am besten besetzte Mannschaft der Liga.« Über Nachfolger Neuhaus urteilt er: »Ich habe bei ihm hospitiert. Er ist ein absoluter Fachmann und eine sehr gute Wahl für Dynamo.«
 Der Gastgeber rechnet am Samstag mit 22 000 Besuchern, 1000 davon aus Bielefeld. Beim DSC könnte Tom Schütz wegen einer Zehenverletzung zunächst auf der Bank sitzen und von Daniel Brinkmann ersetzt werden. »Alles was wir jetzt eintüten können, ist mit Blick auf die Belastung der nächsten Wochen um so wichtiger. So müssen wir das Spiel angehen«, fordert Meier. Er weiß: »Wir laufen jetzt nicht einfach 200 Meter geradeaus. Das ist eher ein 400-Meter-Hürdenlauf.« Und die erste Hürde steht in Dresden. 

So könnte Arminia spielen
Schwolow - Dick, Burmeister, Salger, Schuppan - Brinkmann, Junglas - Hemlein (Lorenz), Ulm, Mast - Klos

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