Tim Jerat will mit Aachen raus aus der Versenkung – morgen Testspiel bei Arminia Die Richtung stimmt

Bielefeld  (WB). Eineinhalb Jahre ist Alemannia Aachen schon von der Bildfläche verschwunden. Doch die turbulente Zeit, in der der Traditionsklub von der 2. in die 4. Liga durchgereicht und wegen eines Insolvenzverfahrens in seinen Grundfesten erschüttert wurde, ist vorbei.

Von Dirk Schuster
Tim Jerat (rechts), hier noch im Arminia-Trikot, ist mittlerweile Führungsspieler in Aachen.
Tim Jerat (rechts), hier noch im Arminia-Trikot, ist mittlerweile Führungsspieler in Aachen. Foto: Thomas F. Starke

 Der Klub hat sich kräftig geschüttelt und von allerlei Altlasten befreit. Mit einer jungen Mannschaft und treuen Fans (7400 im Schnitt) nehmen die Aachener in der Regionalliga West gerade Kurs auf die Rückkehr in die Drittklassigkeit. Alemannia ist Zweiter – punktgleich mit Spitzenreiter Rot-Weiss Essen. Für das direkte Duell am 7. Februar gibt es keine Karten mehr. Der Tivoli wird mit 30 000 Zuschauern ausverkauft sein. So viele Besucher bei einem viertklassigen Fußballspiel – das gab es mit Ausnahme der Relegationspartien in Deutschland noch nie. Der bisherige Rekord wurde am 2. September 2012 in Leipzig aufgestellt. 24 795 Zuschauer sahen damals das Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok und RB Leipzig in der Regionalliga Nordost.

»Das ist absoluter Wahnsinn. Da sieht man, welches Potenzial in unserem Klub steckt«, sagt Tim Jerat. Der 32-Jährige wechselte vor der laufenden Saison von Zweitligaabsteiger Arminia Bielefeld zur Alemannia. Waren seine Qualitäten beim DSC zuletzt nicht mehr gefragt, ist der Mittelfeld-Routinier in Aachen unter Trainer Peter Schubert eine Führungsfigur (18 Einsätze, vier Tore). Ob er morgen im Testspiel gegen seinen Ex-Klub (14 Uhr, Alm) für die Alemannia aufläuft, ist noch nicht sicher. Jerat ist erkältet, setzte deshalb gestern mit dem Training aus. »Eine Vorsichtsmaßnahme. Ich würde gerne gegen Arminia spielen, weil ich mich sehr auf das Wiedersehen freue«, sagt Jerat.

Dass die Alemannia so weit oben steht, sei »nicht zu erwarten gewesen«. Vor der Saison war ein einstelliger Tabellenplatz das Ziel. Entsprechend sei der zweite Rang eine schöne Momentaufnahme, »auf die wir stolz sein können. Doch es wäre realitätsfern, jetzt den Aufstieg als neues Ziel auszurufen«, sagt Jerat und ergänzt: »Damit würde man nur künstlich Druck aufbauen.« Das Eis, auf dem sich der Klub nach der Insolvenz bewegt, sei noch dünn. Jerat: »Die Sponsoren müssen erst wieder Vertrauen aufbauen.«

Neben Essen sieht er trotz sechs Punkten Rückstand Viktoria Köln in der Favoritenrolle. Über welches Potenzial die finanzstarken Kölner verfügen, haben sie am Mittwoch bei ihrem 3:2-Testspielerfolg über Arminia bewiesen. Nun nehmen es die Aachener mit dem Drittligisten, bei dem gestern Christian Müller und Pascal Testroet grippekrank beim Training fehlten, auf. Beim Jahresausklang gegen Chemnitz (2:0) war Jerat, der zu Stephan Salger, Felix Burmeister und Fabian Klos Kontakt hat, zuletzt auf der Alm. Er sagt: »Ich hatte drei wundervolle Jahre in Bielefeld.« Höhepunkt war der Zweitligaaufstieg im Mai 2013.

Bei der Alemannia sei es derzeit »schön zu erleben, welche Euphorie entstanden ist. Vielleicht trägt uns die ja noch ein Weilchen durch die Saison.« Dann kann Jerats Ziel, »mit Aachen irgendwann wieder höherklassig zu spielen«, schneller in Erfüllung gehen als gedacht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.